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Sonntag, 22. April 2018 27° 2

Kirche

Der Papst, ein Streetworker

Franziskus stellt die armen und ausgegrenzten Menschen in den Mittelpunkt. Er ist ein Segen für die Welt.
Pater Michael Heinz ist Hauptgeschäftsführer der Bischöflichen Aktion Adveniat e.V.

Pater Michael Heinz Foto: Achim Pohl/adveniat

Seit fünf Jahren ist der erste Lateinamerikaner und Jesuit im Amt und bringe seither die Kirche von der Sakristei auf die Straße, sagt der Hauptgeschäftsführer des katholischen Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, Pater Michael Heinz. „Papst Franziskus ist ein Segen für die ganze Welt“, ist sich der Adveniat-Chef gewiss. Er schreibt:

„Die Bescheidenheit in Lebensstil und Auftreten haben Papst Franziskus weit über die katholische Kirche hinaus zum Sympathieträger gemacht. Er spricht Klartext. Seine Sprache ist eindeutig und gleichzeitig bildreich. Mit Sätzen wie „Diese Wirtschaft tötet“, spricht er auch viele Menschen außerhalb der Kirche an. Er ist ein Streetworker: Papst Franziskus bringt die Kirche von der Sakristei auf die Straße, wie er es schon als Erzbischof von Buenos Aires mit seinen zahlreichen Initiativen an öffentlichen Plätzen getan hat.

Als Argentinier bringt er selbstverständlich seine Erfahrungen vom anderen Ende der Welt mit nach Rom: die lateinamerikanische Kolonialgeschichte, die Unterdrückung während der argentinischen Militärdiktatur, die krisengeschüttelte Wirtschaftspolitik seines Heimatlandes. Der Papst sieht die Welt aus der Perspektive der Menschen, denen er in Argentinien und in ganz Lateinamerika begegnet ist. Das ist oftmals der Blick der Armen, derer, die kaum Zugang haben zu Bildung und zum Gesundheitssystem.

Deshalb stellt Papst Franziskus die armen und ausgegrenzten Menschen in den Mittelpunkt. Sie sind es, die er anspricht; ihren Glauben und ihre Nöte nimmt er wahr und ernst. Er lässt sich auf die Armen, die Kranken, die Flüchtlinge und Migranten, die Häftlinge, die Arbeitssuchenden und alle Verlierer des neoliberalen Wirtschaftssystems ein. Und er fordert alle Menschen guten Willens auf, ihm an die Ränder der Gesellschaft zu folgen und die Marginalisierten wieder in die Mitte zu holen. Dafür müssen wir die sozialen Brennpunkte, Krankenhäuser, Flüchtlingsunterkünfte und Gefängnisse aufsuchen. Wir müssen unser Leben und auch unseren Wohlstand mit den an den Rand Gedrängten teilen.

Ich habe Papst Franziskus im letzten Jahr während seiner Kolumbien-Reise begleitet. Dort hat er das Adveniat-Projekt Talitha Kum besucht. In Cartagena haben 140 Mädchen aus dem Armenviertel Afriquita einen Ort gefunden, an dem sie sich angenommen und zuhause fühlen. Zuvor war ihr Alltag von Armut, Gewalt, sexuellen Übergriffen und zerrütteten Familienverhältnissen geprägt. Mit seinem Besuch hat der Papst unseren Einsatz für die Jugendlichen und Armen gewürdigt und hat einmal mehr seine Sensibilität für die leider längst alltäglich gewordenen Skandale in einer zutiefst ungerechten Welt bewiesen. Papst Franziskus ist ein Segen, nicht nur für die Menschen in Lateinamerika, sondern für die ganze Welt.“

Der Autor Michael Heinz ist Hauptgeschäftsführer der Bischöflichen Aktion Adveniat e.V. Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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