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Donnerstag, 19. Juli 2018 30° 1

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Die Hoffnung stirbt zuletzt

Die EZB-Geldpolitik bleibt auch die nächsten Jahre expansiver denn je. Zinserhöhungen wird es auf absehbare Zeit nicht geben.
von Franz Seitz, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Weiden und Mitglied im Aktionskreis „Stabiles Geld“

 Franz Seitz
Franz Seitz

Es sind nun schon etliche Jahre seit der Lehman-Insolvenz, dem schwersten Wirtschaftseinbruch in der Nachkriegsgeschichte und der Euroschuldenkrise vergangen. Im Gefolge wurden drastische geldpolitische Eingriffe von den Zentralbanken vorgenommen. Vor diesem Hintergrund stellt sich für Euroland die Frage, wie es geldpolitisch und wirtschaftlich weitergehen soll (kann).

Dafür muss man sich zunächst vergegenwärtigen, was die Maßnahmen der EZB gebracht haben. Zinspolitisch ist bereits das Ende der Fahnenstange erreicht. Die Zinsen sind sogar im Negativbereich. Über verschiedenste Kanäle wurde zudem Liquidität im Umfang von über 4 Billionen Euro zur Verfügung gestellt. Darunter fielen auch massive Staatsanleihekäufe der Euroländer. Und die Zentralbanken sind zum größten Gläubiger der Staaten geworden. Sollten kurzfristig negative Schocks auftreten, kann die Geldpolitik nicht mehr agieren, da sie ihren Spielraum bereits ausgeschöpft hat.

Obwohl die Wirtschaft im Euroraum so stark wächst wie seit zehn Jahren nicht mehr und die Trendinflation konstant um einen Prozentpunkt schwankt, sind die Zinsen niedriger und die Liquiditätsversorgung höher als in der Rezession 2009. Die EZB-Geldpolitik bleibt auch die nächsten Jahre expansiver denn je. Zinserhöhungen wird es auf absehbare Zeit nicht geben, und dann auch nur sehr moderat und graduell. Alleine schon deswegen, weil sonst wieder einzelne Euroländer in Zahlungsprobleme kommen werden.

Was kann aber die Zukunft bringen? Zunächst einmal besteht die Möglichkeit einer Transferunion mit voller Fiskal- und Bankenunion inklusive gemeinsamer Einlagensicherung. Da dafür Kompetenzen nach Brüssel abgegeben werden müssen, besteht dazu in vielen Ländern keine Bereitschaft. Szenario zwei beinhaltet eine Einhaltung der Regeln des EU-Vertrages. Da jedes Land danach über sein Staatsbudget entscheidet, bedeutet dies auch, dass kein Land für die Schulden eines anderen Landes haftet und dass die Möglichkeit eines Staatsbankrotts besteht. Sollte auf Dauer keine Bereitschaft zu solidem Finanzgebaren bestehen, bleibt als dritte Möglichkeit nur die Auflösung der Währungsunion in der gegenwärtigen Form. Als Fazit bleibt: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Der Autor ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Weiden und Mitglied im Aktionskreis „Stabiles Geld“. Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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