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Dienstag, 18. September 2018 28° 1

Menschenrechte

Die Rückkehr der Christen?

Tausende Christen sind vor den Kämpfen im Irak geflohen. Die Heimkehrer brauchen Schutz und politische Unterstützung.
Christian Selbherr

 Christian Selbherr ist Redakteur der Zeitschrift missio magazin, die beim Internationalen Katholischen Hilfswerk missio in München erscheint. Er hat den Irak 2017 bereist.
Christian Selbherr ist Redakteur der Zeitschrift missio magazin, die beim Internationalen Katholischen Hilfswerk missio in München erscheint. Er hat den Irak 2017 bereist.

Berlin.Ist demnächst eine 2000 Jahre alte Geschichte zu Ende? Das fragen sich die verbliebenen Christen im Nahen Osten, besonders im Irak. Die Ninive-Ebene ist das traditionelle christliche Siedlungsgebiet zwischen Euphrat und Tigris. Im Jahr 2003 lebten noch etwa zwei Millionen Christen im Irak. Heute sind es höchstens noch 250 000. Der „Islamische Staat“ mag nun bald besiegt sein. Doch die ungelöste Kurdenfrage birgt neue Gefahren für die Christen. Die autonome Region Kurdistan stimmte in einem Referendum im September 2017 für die Unabhängigkeit, aber die Zentralregierung in Bagdad machte schnell klar, dass sie dieses Ergebnis nicht akzeptieren werde. Bagdad verlangte vor allem die Kontrolle über die Ninive-Ebene zurück. Während daraufhin die Kurden viele umstrittene Städte kampflos an die irakische Armee übergaben, geriet die kleine Stadt Teleskof unter Beschuss. Zwei Jungen im Alter von zwölf und 14 Jahren wurden durch Granaten der irakischen Armee verletzt – und eilig verließen mehr als 400 Familien erneut ihre Stadt, in die sie sich gerade erst zurückgewagt hatten.

Diese Menschen brauchen jetzt ein klares Signal ihrer Regierung: Wir schützen euch, wir garantieren eure Sicherheit. Sonst steht zu befürchten, dass sie nicht noch einmal ihre zerstörten Häuser aufbauen, sondern vielleicht für immer Flüchtlinge im eigenen Land bleiben werden – oder eben auswandern nach Europa, Kanada, die USA, wie es schon so viele ihrer Landsleute getan haben. Hat der Westen, hat man in Europa zu lange unterschätzt, in welch großer Gefahr sich besonders die christliche Minderheit im Irak befand? Bisher haben sich nur wenige Politikvertreter offen für eine bewusste Unterstützung der Christen ausgesprochen. Oft sind das Staatenlenker, deren Politik durchaus umstritten ist. Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban war der erste, der erklärte: Sein Land wolle in erster Linie den Christen im Nahen Osten zur Hilfe kommen.

Inzwischen hat sich Mike Pence ähnlich geäußert, der Vizepräsident der USA. Im Namen seines Präsidenten Donald Trump sagte er, die USA würden künftig die UNO umgehen und gezielte Wiederaufbauhilfe an die christlichen Kirchenoberhäupter des Nahen Ostens vergeben. Die Kirchenvertreter vor Ort wollen die Hoffnung auf einen Neuanfang unter allen Umständen am Leben erhalten. Sie wissen: Mehr denn je braucht der Irak die Christen. Es ist ihre Heimat. Sie betreiben Kliniken, Kindergärten und Schulen, die allen Religionen offen stehen. Wo andere Mauern errichten, da können die Christen Brücken bauen.

Der Autor Christian Selbherr ist Redakteur der Zeitschrift missio magazin, die beim Internationalen Katholischen Hilfswerk missio in München erscheint. Er hat den Irak 2017 bereist. Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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