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Ein Stimme für die Armen

Pro bono Beratung richtet sich vor allem an Menschen, denen die finanziellen Mittel für einen Rechtsanwalt fehlen.
von Dr. Paul Melot de Beauregard, Pro Bono Deutschland

Dr. Paul Melot de Beauregard
Dr. Paul Melot de Beauregard

Ganz so, wie es die Überschrift vermuten lässt, ist es bei uns zum Glück nicht. Auch Menschen, die finanziell schlecht gestellt sind, haben die Möglichkeit, mit Hilfe von Prozesskostenhilfe ihre Ansprüche vor Gericht durchzusetzen und sich gegen Klagen zu verteidigen. Daher könnte man meinen, dass – anders als in den USA, dem „Mutterland“ der kostenlosen Rechtsberatung für Mittellose – in Deutschland ein entsprechendes Konzept seitens der Anwaltschaft nicht erforderlich wäre.

Dies sieht der Verein Pro Bono Deutschland anders. Bei ihm handelt es sich um einen Zusammenschluss von Rechtsanwaltskanzleien und Einzelanwälten, die auch hierzulande einen entsprechenden Bedarf an kostenloser Rechtsberatung erkannt haben. Man nennt diese Art der Unterstützung auch pro bono nach der lateinischen Redewendung pro bono publico, was so viel heißt wie „für das Gemeinwohl“. Pro bono Beratung in Deutschland richtet sich vor allem an Menschen, denen die finanziellen Mittel für die Beauftragung eines Rechtsanwalts fehlen. Häufig sind sie mit rechtlichen Fragen nicht oder kaum vertraut.

So konnte durch Mitgliedskanzleien von Pro Bono Deutschland in den vergangenen Jahren insbesondere vielen Flüchtlingen und Migranten, zum Beispiel bei ihrer Korrespondenz gegenüber Behörden und Gerichten, geholfen werden. Andere beschäftigen sich mit der Unterstützung von Minderjährigen oder von gemeinnützigen Vereinen, die ihrerseits schutzbedürftigen Personen Hilfe zu Teil werden lassen.

Zuweilen hört man Kritik an solchem Vorgehen; pro bono beratende Rechtsanwälte würden ihren Kollegen, die sich auf Rechtsgebiete wie das Asylrecht spezialisiert hätten, die Arbeit wegnehmen. Dies ist aus Sicht von Pro Bono Deutschland nicht richtig. Pro bono tätige Kolleginnen und Kollegen werden vielmehr da tätig, wo sonst überhaupt keine rechtliche Beratung erfolgen würde. Es handelt sich nach dem Verständnis des Vereins also um das Schließen einer Lücke in unserem rechtsstaatlichen Zusammenleben. Pro Bono Deutschland selber berät Hilfesuchende freilich nicht, sondern konzentriert sich darauf, die anwaltliche pro bono Tätigkeit in Deutschland weiter bekanntzumachen und für ihre Akzeptanz zu werben. Ein Anliegen, dass aller Ehren wert ist!

Der Autor ist Mitglied des Vorstands bei Pro Bono Deutschland e.V. Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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