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Ein Weg zu fairen Preisen

Staat und Länder fördern umweltbelastende Branchen mit Subventionen und Steuernachlässen. Das muss sich ändern.
Dr. Katharina Reuter, Geschäftsführerin von UnternehmensGrün

Dr. Katharina Reuter, Geschäftsführerin von UnternehmensGrün
Dr. Katharina Reuter, Geschäftsführerin von UnternehmensGrün

Die Lebensmittel-Branche zeigt täglich, was in der Wirtschaft falsch läuft: Während die Biobanane im Supermarkt 1,99 pro Kilo kostet, ist die Pestizid-Banane für 1,49 zu haben – und manchmal auch für 99 Cent. Dieses Geschäft funktioniert nur, weil konventionelle Produzenten die Zeche prellen. Bezahlen müssen Steuerzahlende, Plantagenarbeiterinnen und -arbeiter in anderen Ländern und unsere Enkelkinder – zusammen mit der Natur. Doch wie hoch sind die Kosten für Atemwegserkrankungen durch Pestizide beim Bananenpflücken? Wie viel müssen Wasserwerke für die Reinigung des nitratbelasteten Wassers bezahlen, das aus der Düngung in der konventionellen Landwirtschaft ins Wasser gelangt? Lässt sich der Grundwasserschwund südspanischer Küstengebiete, der durch den Tomatenanbau verursacht wird, in Euro messen? Per „True Cost Accounting“ versucht man heute, diese Beträge zu beziffern.

Dass die Preise bisher die ökologische und soziale Wahrheit verschweigen, liegt daran, dass externe Effekte (also Dienstleistungen der Natur wie saubere Luft und Wasser, aber auch CO2-Emissionen, Gesundheit von Tieren und Menschen) nicht eingepreist werden. Konventionelle Unternehmen zahlen dafür in der Regel: Nichts. Durch die Externalisierung der Kosten scheinen herkömmlich hergestellte Produkte billiger, als sie tatsächlich sind. Doch anstatt Umweltverbrauch zu erschweren, fördern Staat und Länder umweltbelastende Branchen mit Subventionen und Steuernachlässen:

- Fossile Energieträger: Die Kohleindustrie erhält jedes Jahr laut Umweltbundesamt rund zwei Milliarden Euro.

- Agrarindustrie: Deutsche Landwirte bekommen allein aus EU-Mitteln rund 5 Milliarden Euro und der größte Teil davon geht an agrarindustrielle Betriebe.

- Luftverkehr: Der 2011 eingeführten Luftverkehrsabgabe mit einem Volumen von 1 Milliarde Euro stehen Subventionen und Steuerbefreiungen von 10 Milliarden Euro gegenüber. Luftfahrtunternehmen zahlen weder Öko- noch Kerosinsteuer, bei internationalen Flügen sind sie umsatzsteuerbefreit.

- Autoverkehr: Jeder Bürger, jede Bürgerin finanziert über seine/ ihre Steuern den städtischen Autoverkehr mit 150 Euro pro Jahr – egal, ob sie oder er selbst Auto fährt oder mit Rad, Bus und Bahn unterwegs ist.

Das Umweltbundesamt berechnet die umweltschädlichen Subventionen in Deutschland auf insgesamt rund 57Milliarden Euro. Der erste Schritt in Richtung wahrer Preise wäre der Abbau dieser Subventionen. Denn was passiert, wenn die Pestizidbanane mindestens so teuer ist wie die Biofrucht? Dann könnten Supermärkte schneller auf ökologische Produkte umstellen und ihre Zulieferer aus aller Welt dabei mitnehmen. Billigfleisch verschwände zunehmend aus den Regalen, tiergerechte Haltung würde sich immer öfter rechnen und unser Grundwasser müsste nicht mehr so massive Nitrateinträge verdauen. Wahre Preise würden dafür sorgen, dass die Märkte die ökologische und soziale Wahrheit sagen. Erst wenn nachhaltig wirtschaftende Unternehmen nicht länger in unfairen Märkten agieren müssen, kann Fairness Mainstream werden. Und davon profitieren: Alle.

Die Autorin ist Geschäftsführerin von UnternehmensGrün e. V. Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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