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Montag, 24. September 2018 24° 6

Kriminalität

Gewalt gegen Frauen ist trauriger Alltag

In Deutschland erleben rund 25 Prozent der Frauen und Mädchen Formen von körperlicher oder sexualisierter Gewalt
Gesa Birkmann ist Leiterin des Bereichs Referate bei Terre des Femmes.

Gesa Birkman ist Leiterin des Bereichs Referate bei Terre des Femmes.
Gesa Birkman ist Leiterin des Bereichs Referate bei Terre des Femmes.

Berlin.Weltweit beschäftigen sich aktuell unzählige Menschen mit häuslicher und sexualisierter Gewalt. Anhand der millionenfachen Beiträge im Internet unter dem #MeToo ist deutlich spürbar, dass häusliche und sexualisierte Gewalt trauriger Alltag der meisten Frauen und Mädchen ist. Durch die #MeToo Debatte wird dieses Thema endlich wieder in der breiten Öffentlichkeit diskutiert. Die Debatte zeigt uns die erschreckende Bandbreite von Gewalt gegen Frauen: von der verbalen sexuellen Belästigung bis hin zur Vergewaltigung. Unzählige Frauen und Mädchen wurden durch die öffentliche Auseinandersetzung dazu ermutigt, gegen Übergriffe Anzeige zu erstatten, sich zu beschweren und für ihre Rechte einzustehen.

In Deutschland erleben rund 25 Prozent der Frauen und Mädchen Formen von körperlicher oder sexualisierter Gewalt (BMFSFJ 2004:9). Das bedeutet, dass jede vierte Frau in unserer Gesellschaft von Häuslicher und/oder sexualisierter Gewalt betroffen ist. Diese Gewalt erfahren Frauen häufig nicht durch Fremde, sondern durch Bekannte, durch den eigenen Partner, Onkel, Freund oder Arbeitgeber. Demnach passieren diese Vorfälle überwiegend nicht nachts, allein, im dunklen Park sondern erschreckend häufig tagsüber im eigenen Heim oder an anderen vertrauten Orten. Die Hürde, die danach überschritten werden muss, um sich Hilfe zu holen, steigt enorm, wenn der Täter aus dem Familien- oder Bekanntenkreis kommt.

Indes ist das Phänomen des sogenannten „Victim Blamings“ im Kontext von Sexualstraftaten sehr präsent und trägt mit dazu bei dass eine Anzeige im Zweifel nicht aufgegeben wird. 27 Prozen der Befragten des Eurobarometers von 2016 denken, dass die Frau eine Mitschuld, an gegen sie gerichtete sexualisierte Gewalt trägt. Die Studie zeigt, dass sexualisierte Gewalt in Deutschland und Europa teilweise immer noch toleriert, verharmlost oder nicht ernst genommen wird. Das ist erschütternd, da häusliche und sexualisierte Gewalt jeglicher Art einen extremem Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Frau darstellt! Im Kampf gegen diese Gewalt wurden nun erstmals rechtlich verbindliche Standards auf europäischer Ebene festgelegt. In der „Istanbul Konvention“ verpflichten sich die Vertragsstaaten dazu, konkrete Maßnahmen zur Bekämpfung aller Formen von Gewalt an Frauen zu ergreifen. Am 1. Februar 2018 trat diese Konvention in Deutschland in Kraft. Damit verpflichtet sich auch unsere Bundesregierung dazu, verbindliche Standards einzuhalten. Terre des Femmes begrüßt, dass der Koalitionsvertrag dazu ein Aktionsprogramm zur Prävention und Unterstützung für von Gewalt betroffene Frauen und Kinder beinhaltet und Hilfestrukturen verbessert werden sollen. Das Hilfesystem und die bestehenden Hilfsangebote in Deutschland sind immer noch unterfinanziert und nicht ausreichend vorhanden. Terre des Femmes fordert deshalb einen Rechtsanspruch auf Hilfe bei Gewalt, der die Finanzierung endgültig sichern und Frauen genügend Anlaufstellen schaffen würde, um sich vor Gewalt zu schützen. Nur so können sich gewaltbetroffene Frauen in Deutschland darauf verlassen, im Ernstfall Hilfe zu bekommen. Terre der Femmes setzt sich tagtäglich für eine Gesellschaft ein, in der Frauen und Mädchen gleichberechtigt, selbstbestimmt und frei leben können.

Die Gesa Birkman ist Leiterin des Bereichs Referate bei Terre des Femmes. Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung der Autorin wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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