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Sterben

Hohe Rechnungen für Leichenschau

Seit vielen Jahren wird eine Reform der Sätze nach der Gebührenordnung für Ärzte verschleppt. Sie wäre dringend nötig.
Alexander Helbach ist Pressereferent bei der Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas e.V.

Alexander Helbach ist Pressereferent bei der Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas e.V.
Alexander Helbach ist Pressereferent bei der Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas e.V.

Die Kosten für Leichenschau und Totenschein werden nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) abgerechnet. Doch trotz klarer Regeln erhalten viele Hinterbliebene überteuerte Rechnungen – auch weil die Gebührensätze vollkommen veraltet sind. Nach jedem Sterbefall muss ein Arzt den Tod des Verstorbenen feststellen und mit dem Totenschein (auch Leichenschauschein genannt) dokumentieren. Bezahlt wird der Arzt von den Angehörigen, die die entsprechende Rechnung häufig über den Bestatter erhalten. Rechnet der Arzt korrekt nach den entsprechenden Gebührensätzen der GOÄ ab – Ziffer 100 (Todesfeststellung) und Paragraph 8 (Wegegeld) plus möglicher Zuschläge – ergibt sich je nach Wochentag, Uhrzeit und Umständen der Todesfeststellung üblicherweise ein Kostenrahmen zwischen circa 20 und 60 Euro. Womöglich können aufgrund besonders widriger Umstände auch bis zu knapp 77 Euro angemessen sein. In der Praxis erhalten Angehörige jedoch häufig Rechnungen von über 100 oder gar 200 Euro, die aufgrund mangelnder Kenntnis leider auch häufig bezahlt werden.

Wie kommen diese überteuerten Rechnungen zustande? Während manche Ärzte pauschale Phantasiepreise für eine Leichenschau aufrufen, setzen andere weitere Gebührenpositionen aus der GOÄ wie zum Beispiel für Hausbesuch, Beratung und Untersuchung an. Hierbei handelt es sich aber um Leistungen an lebenden Personen, die mit der Krankenkasse abgerechnet werden müssen. Selbst die Bundesärztekammer empfiehlt, nur die Ziffer 100 und das jeweilige Wegegeld anzusetzen. Viele Ärzte beklagen, die Gebühren für Leichenschauen seien nicht ansatzweise angemessen. Dem ist zweifellos zuzustimmen, sie sind definitiv zu niedrig. Man vergleiche hierzu einmal die üblichen Kosten eines Handwerkers für die entsprechende Arbeitszeit inklusive Anfahrt. Dies rechtfertigt jedoch keineswegs, bei der Rechnungsstellung eigenmächtig und unrechtmäßig den vermeintlich angemessenen Satz nach eigener Einschätzung zurechtzubiegen. Nötig wäre endlich eine Reform der Gebührensätze der GOÄ, die seit vielen Jahren verschleppt wird. Nur so könnte eine angemessene Bezahlung in Einklang mit einer nachvollziehbaren Abrechnung gewährleistet werden. Bis dahin bleibt der Rat an Betroffene, entsprechende Rechnungen stets gründlich zu prüfen.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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