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Montag, 23. Juli 2018 24° 2

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Mehr Lehrer und Erzieher

Rund 50 000 Kinder scheitern jedes Jahr an deutschen Schulen. Das muss sich ändern, auch durch Kinderrechte im Grundgesetz.
Wolfgang Büscher, Sprecher von „Die Arche“

Foto: Wolfgang Büscher
Foto: Wolfgang Büscher

Wenn Kinder in unserem Land die Schule ohne einen Abschluss verlassen, dann sieht es für ihre Zukunft meist düster aus. Wir sprechen hier von rund 50 000 Kindern jährlich, die in unseren Schulen scheitern. Woran liegt das? Fast immer kommen die Kinder aus bildungsfernen Familien. Die Eltern sind also nicht in der Lage, ihren Kindern eine nachhaltige Erziehung, Bildung und leider oft auch Werte zu vermitteln. Ein Teil dieser Kinder ist sogar unbeschulbar. Ohne Hilfe von außen werden sie niemals ein selbstbestimmtes Leben führen können. Sie treten in die Fußstapfen ihrer Eltern und müssen ihr Leben lang Transferleistungen beziehen. Wir sprechen hier also von Hartz-IV-Dynastien.

Was machen die Schulen falsch, wenn so viele Kinder scheitern? In Deutschland müssen sich alle Kinder auf die Schule und ihre Lehrer einstellen. Da sitzt ein Professoren- oder Lehrerkind neben einem Kind, das aus einer dieser bildungsfernen Familien stammt. Die Schüler müssen aber mit dem gleichen Stoff und der gleichen Geschwindigkeit dem Unterricht folgen. Das kann nicht funktionieren und das funktioniert auch nicht.

Die Arche hat vor mehr als zehn Jahren eine Schule in privater Trägerschaft gegründet. 20 Kinder sind in einer Klasse und zwei Lehrer und ein Erzieher kümmern sich um den Klassenverband. Die Pädagogen stellen sich auf ihre Schüler ein. Jeder Schüler wird individuell beschult. Das Ergebnis: Fast alle Kinder meistern den Unterricht und schaffen auch einen Schulabschluss. Wir müssen also Geld in die Hand nehmen und mehr Lehrer, Erzieher und Psychologen einstellen. Die Kids werden es uns später zurückzahlen. Ein großes Problem stellt in der Bildungspolitik auch der Föderalismus dar. 16 Bildungsminister in den Bundesländern und einer im Bund treten sich gegenseitig auf die Füße und behindern eine erfolgreiche Bildungspolitik. Wir haben in Deutschland nur die Ressource Kind, und es ist am besten, wenn man sich zentral und auf dem gleichen Bildungsstand um alle Kinder gleich kümmert. Ein Schulabschluss in Berlin sollte genauso wertvoll sein wie der in Bayern. Und das ist er heute definitiv nicht. Zudem gehören Kinderrechte endlich ins Grundgesetz. Dann hätten alle Kinder unter anderem auch einen Anspruch auf einen vernünftigen Schulabschluss.

Der Autor Wolfgang Büscher ist Sprecher von „Die Arche“. Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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