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Montag, 24. September 2018 15° 2

Energie

Riskante Sackgasse Fracking

Fracking birgt unkalkulierbare Gefahren für Gesundheit und Umwelt. Außerdem torpediert die Fördermethode die Energiewende.
Von Thomas Breuer

Thomas Breuer ist Leiter des Energiebereichs bei Greenpeace Deutschland.
Thomas Breuer ist Leiter des Energiebereichs bei Greenpeace Deutschland.

Hamburg.Je näher der EU-Energie-Gipfel Ende Oktober rückt, desto öfter fällt das Stichwort Fracking. Befürworter wie etwa Energie-Kommissar Günther Oettinger wollen darin einen Weg ausgemacht haben, wie Europa sich unabhängiger machen kann von russischen Energie-Importen. Dabei ignorieren Oettinger und andere Fracking-Befürworter nicht nur die immensen Risiken der Technik, sondern auch, dass sie Deutschland und Europa in eine Sackgasse führen würde.

Fracking ist ein Verfahren, um Gas und Öl zu gewinnen. Dabei wird unter hohem Druck ein Gemisch aus Wasser und Chemikalien in den Boden gepresst, mit dem öl- und gashaltiges Gestein aufgebrochen wird. Greenpeace lehnt Fracking ab. Zum einen ist bislang nicht ausreichend erforscht, welche Risiken die Chemikalien für die Umwelt und für das Grundwasser haben. Zum anderen weisen Studien nach, dass die Klimabilanz von Fracking-Gas schlechter ist als die von Steinkohle. Und schließlich müssen für Fracking große Mengen Wasser eingesetzt werden, was in trockenen Gegenden eine prekäre Wasserversorgung weiter verschlechtert.

In den Wasserrückflüssen aus Fracking-Operationen, die zwischen 25 Prozent und 100 Prozent der eingebrachten Chemiecocktails enthalten, lassen sich hochgiftige Stoffe wie Arsen und Quecksilber finden. Was an Chemie im Boden bleibt, ist nicht mehr zu kontrollieren. Der wieder an die Oberfläche kommende Teil muss aus Sicht von Greenpeace als Sondermüll behandelt und entsorgt werden. Nicht genug damit, dass bei Fracking gefährliche Chemikalien eingesetzt werden, deren weiterer Verbleib nicht ausreichend kontrolliert wird. Im Verfahren entstehen zudem weitere gesundheitsgefährdende Stoffe. Die New Yorker Umweltbehörde hat Abwässer aus der Shale-Gas-Förderung Marcellus analysiert. Dabei wurden Konzentrationen von radioaktivem Radon 226 festgestellt, die weit über den erlaubten Grenzwerten liegen. Es ist also offensichtlich, dass Fracking im Boden lagernde giftige Schwermetalle und radioaktiven Stoffen mobilisiert.

Selbst in den USA, wo unter genehmigter Umgehung zahlreicher Umweltauflagen große Mengen Shale-Gas gefördert werden, ist es unwahrscheinlich, dass Gas und Öl aus Fracking einen substanziellen Beitrag zur Energiesicherheit leisten können. Dies gilt umso mehr in Deutschland, wo es im Verhältnis schärfere Umweltschutzrichtlinien gibt und – was viel wichtiger ist – eine kritische Bevölkerung, die zu lebendigem und effektivem Protest in der Lage ist, wie der Atomausstieg eindrucksvoll gezeigt hat.

Die genannten Risiken zeigen, wie gefährlich Fracking ist. Tragisch aber wird diese Technik durch die verfügbaren Alternativen. Die erneuerbaren Energien sind technisch ausgereift und wirtschaftlich konkurrenzfähig – und sie liefern Strom, der keine Gesundheits- und Umweltrisiken zur Folge hat wie fossile Brennstoffe und Atomkraft. Wer sich langfristig unabhängig machen will von Energieimporten, der muss die Erneuerbaren beherzt ausbauen und gleichzeitig sparsamer mit Energie umgehen. Fracking kann Deutschland nicht unabhängig von Importen machen, sehr wohl aber kann die Technik uns unkalkulierbare Umweltschäden einbrocken – und den Ausbau der Erneuerbaren unnötig verzögern. Wenn Angela Merkel die Energiewende ernst meint, dann lässt sie sich beim EU-Gipfel nicht auf die gefährliche Scheinlösung Fracking ein, sondern drängt auf ambitionierte Ziele für Erneuerbare und Effizienz.

Thomas Breuer ist Leiter des Energiebereichs bei Greenpeace Deutschland. Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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