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Glücksspiel

Verspiele nicht dein Glück!

Wenn einer das Geld verzockt, leidet die ganze Familie darunter. Daher müssen die Behörden geltende Gesetze umsetzen.
Christian Kreuzer

Christian Kreuzer st Leiter der Caritas-Suchthilfe Regensburg.
Christian Kreuzer st Leiter der Caritas-Suchthilfe Regensburg.

Regensburg.Wer durch Regensburg läuft, spaziert an einer bestimmten Ecke durch ein Spielerparadies. Zwei Casinos direkt nebeneinander, daneben ein Büro für Sportwetten, ums Eck wieder eine Spielhalle. Nach dem neuen Glücksspielstaatsvertrag und dem bayerischen Landesglücksspiel-Gesetz darf das nicht länger sein: In deutschen Innenstädten soll es keine Konzentration von Spielhallen mehr geben und deren Zahl reduziert werden. Seit dem 1. Juli 2017 gelten daher Mindestabstände von 250 Metern Luftlinie zwischen zwei Spielhallen, zudem darf es keine Spielhallen in einem Mehrfachkomplex mehr geben.

Bislang ist das alles nur Theorie: Das neue Gesetz wird von den bayerischen Kommunen offenbar nur lax angewendet. In Regensburg gibt es 53 Spielhallen, 45 erfüllen die neuen Vorgaben nicht. Trotzdem musste bislang kein Casino schließen. Ähnlich sieht es laut Medienberichten in München, Nürnberg und Augsburg aus. Das Gesetz sieht Ausnahmen von der Regel vor. Es gibt Härtefallregelungen und Duldungsvereinbarungen, die das Schließen einer Spielbank aufschieben oder sogar abwenden können. Gründe dafür sind beispielsweise hohe Investitionen, welche die Betreiber getätigt haben. Kommunen gestatten diese Ausnahmeregelungen mitunter, um juristische Streitereien zu vermeiden.

Meine Kollegen und ich nehmen in der Suchtberatung seit einigen Jahren einen kontinuierlichen Anstieg von Glücksspielern wahr: Immer mehr suchen Rat in der Fachambulanz, oft kommen auch deren Angehörige zu uns. Wenn einer das Geld verzockt, leidet die ganze Familie darunter, insbesondere die Kinder. Es fehlt beispielsweise das Geld für Geburtstagsgeschenke oder für den Sportverein. Nicht selten müssen Kinder die Streitereien der Eltern um die Spielsucht aushalten. Mit der erhöhten Nachfrage von Glücksspielsüchtigen hat sich auch das Angebot an ambulanten und stationären Hilfen erweitert. Spielsucht ist heilbar, haben wir gelernt. Die enormen Behandlungskosten trägt aber die Gesellschaft – während sich die deutsche Glücksspielindustrie über jährlich rund 10,7 Milliarden Euro Bruttogewinne freut. Die zuständigen Behörden müssen eingreifen und die Möglichkeiten des neuen Gesetzes nutzen. Ohne Furcht vor juristischen Streitereien. Unser Apell lautet: Weniger Casinos, bitte! Je größer das Angebot an Spielhallen ist, desto höher ist auch die Zahl der Glücksspielsüchtigen. Und diese greifen in ihrer Verzweiflung mitunter zu drastischen, vermeintlichen Lösungsstrategien: Sie überfallen die Spielothek, in der sie in den Ruin getrieben sind. So endet eine Spielsucht im schlimmsten Fall im Gefängnis.

Der Autor ist Leiter der Caritas-Suchthilfe Regensburg. Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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