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Wenn Au-Pairs nicht gehen

Die Rechtslage hat sich schon gebessert: Was Au-pair-Gasteltern trotzdem auch heute noch beachten müssen.
Christoph Hambloch Gütegemeinschaft Au-pair

Christoph Hambloch Gütegemeinschaft Au-pair
Christoph Hambloch Gütegemeinschaft Au-pair

Viele erfahrene Au-pair-Gasteltern kennen das Thema noch: Wer ein Au-pair einlud, wurde im Zuge der Visaerteilung dazu verpflichtet, nicht nur für den Unterhalt des Au-pairs aufzukommen, sondern dem Staat gegebenenfalls durch ein Au-pair verursachte Kosten zu erstatten. Das naheliegendste Szenario dafür war eine Abschiebung eines nicht rückkehrwilligen oder mittellosen Au-pairs in ein Drittland. Vorkommnisse dieser Art waren extrem selten und die Au-pair-Versicherer haben eine sehr günstige Absicherung im Rahmen der übrigen üblichen Versicherungen dafür. Regressansprüche an Au-pair-Gastfamilien hat es bisher nicht gegeben. Für eine Familie aus Bayern kam es jüngst aber ganz anders. 5 Jahre nach einem Au-pair Aufenthalt flatterte plötzlich vom Landratsamt eine Geldforderung über 28 000 Euro ins Haus. Was war passiert? Das damalige Au-pair hatte nicht den Flug in die Heimat angetreten, sondern war untergetaucht und hat unter falscher Identität Asyl beantragt und mehrere Jahre lang staatliche Leistungen in Anspruch genommen. Die Familie wehrt sich derzeit mit Hilfe eines Anwalts gegen die Forderung. Wie der Rechtsstreit ausgeht, ist noch ungewiss.

Für die Gütegemeinschaft Au-pair ist allerdings ganz klar, dass die Familie nicht dafür aufkommen muss, dass der Staat sich beim Asylantrag mit falscher Identität jahrelang an der Nase herumführen ließ. Das ist in diesem Fall nicht einmal mit der Überlastung der Behörden 2015 zu erklären, da der Vorfall älter ist. Die Familie trifft keine Schuld, sie hat das Au-pair zum Flughafen begleitet und dann keinen Kontakt mehr gehabt.

Heute ist ein wie oben geschilderter Fall nicht mehr möglich. Visaentscheidungen werden längst ohne die Einschaltung der Ausländerbehörden getroffen. Es gibt aber Ausnahmen: In seltenen Fällen, in denen ein Au-pair schon einmal längere Zeit in Deutschland war – allerdings nicht als Au-pair, laufen Au-pair-Visaanträge noch über die Ausländerbehörden, die dann eine Verpflichtungserklärung einfordern können. Auch beim Wechsel einer Au-pair-Stelle fragen Behörden bei der Ummeldung schon einmal danach. In diesen sehr seltenen Fällen sollte sich die Verpflichtung nur auf die Dauer des Au-pair-Aufenthaltes beziehen. Auf jeden Fall erlischt so eine Erklärung automatisch mit dem Wechsel des Aufenthaltszwecks, wenn zum Beispiel das Au-pair nach der Au-pair Zeit ein Freiwilliges Soziales Jahr in Deutschland absolviert oder studiert.

Der Autor Christoph Hambloch ist Vorsitzender der RAL-Gütegemeinschaft Au-pair e.V. Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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