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Stickoxidbelastung

Zu Unrecht der Buhmann

In der NOx-Debatte wird die Schuld der Binnenschifffahrt gegeben. Dabei fehlt der fachliche Nachweis.
Jens Schwanen, Geschäftsführer

Jens Schwanden ist Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Binnenschifffahrt e.V. (BDB). Foto: BDB
Jens Schwanden ist Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Binnenschifffahrt e.V. (BDB). Foto: BDB

Die Stickoxidbelastung in den Innenstädten bleibt oberhalb der zulässigen Grenzwerte, selbst wenn bis zum Jahr 2030 alle Diesel-Pkw durch Benzin-Pkw ersetzt werden. Schuld ist die Binnenschifffahrt. Das ist die kühne These aus der Masterarbeit des Physikstudenten Lennart K., die vom die Arbeit betreuenden Michael Schreckenberg, Physikprofessor an der Universität Duisburg-Essen, intensiv verbreitet wird. Dabei lösen die Erkenntnisse doch einige Nachfragen aus, denn laut den Berechnungen der Bezirksregierung Düsseldorf entfallen nur sieben Prozent der Stickoxide in der NRW-Landeshauptstadt auf die Binnenschiffe; 40 Prozent der Emissionen sind durch Autos verursacht.

Bei der Beschreibung der Untersuchung spricht Schreckenberg gegenüber Medien ausdrücklich nur von einem Verzicht auf Diesel-Pkw. Die heute im Stadtverkehr anzutreffenden Lkw und der gesamte Liefer-, Bau- und Monteursverkehr, der fast vollständig dieselbetrieben ist, wurden in der Studie also offenbar nicht betrachtet. Oder wie sieht es mit den Stickoxidemissionen durch die Heizungen oder durch die Verbrennungsprozesse in der Industrie aus? Es erscheint ebenso fraglich, ob die Tatsache, dass die Binnenschifffahrt gerade massiv in die Erneuerung von Maschinen, Filtern und Katalysatoren investiert, in die Untersuchung eingeflossen ist.

Studien der Bundesanstalt für Gewässerkunde aus dem Jahr 2015 zeigen, dass bereits am Flussufer, spätestens aber in einer Entfernung von rund 100 Metern von der Fahrrinne, keine Zusatzbelastungen an Schadstoffen nachweisbar sind, die ausschließlich von Binnenschiffen hervorgerufen werden. Wie kommt der Student in seiner Masterarbeit also zu der Aussage, dass die Schifffahrt für die Überschreitung der Stickoxidgrenzwerte in den Innenstädten verantwortlich sei?

Europaweit anerkannte oder gar normierte Messmethoden zur Ermittlung der auf die Binnenschifffahrt entfallenden Schadstoffbelastungen in den Innenstädten gibt es bis heute nicht. Ohne die Wissenschaftlichkeit der Masterarbeit in Zweifel zu ziehen, muss die Skepsis erlaubt sein, dass der Student diese bislang offene Frage in seiner Ausarbeitung bereits in einer fachlich belastbaren Weise beantwortet hat. Daher scheint es völlig verfehlt, die Binnenschifffahrt zum Buhmann in der NOx-Debatte zu machen!

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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