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3000 Tage Krieg in Syrien

Im vergangenen Jahr wurden im Bürgerkriegsland mehr Jungen und Mädchen getötet als in jedem Kriegsjahr davor.
von Christian Schneider, Unicef-Experte

Christian Schneider, Geschäftsführer von Unicef Deutschland
Christian Schneider, Geschäftsführer von Unicef Deutschland

Regensburg.Für Millionen Menschen im kriegsverwüsteten Syrien, für weitere Millionen, die sich aus den Kampfzonen in ein Nachbarland oder Richtung Europa gerettet haben, ist der 15. März 2011 der dunkle Wendepunkt in ihrem Leben. Es ist der Tag, an dem das alte, vielfältige Syrien begann, sich nach zunächst friedlichen Demonstrationen unaufhaltsam in ein Schlachtfeld zu verwandeln, auf dem es auch im achten Kriegsjahr kaum Rücksicht gegenüber den besonders schutzbedürftigen, den vor allem absolut unschuldigen Menschen in Syrien gibt: den Kindern.

Wenn es auch richtig ist, dass in weiten Regionen nicht mehr gekämpft wird, so ist genauso wahr, dass im vergangenen Jahr wurden mehr Jungen und Mädchen getötet wurden als in jedem Kriegsjahr davor! Syrien, das sind heute mindestens zwei sehr unterschiedliche Wirklichkeiten für Kinder: Einerseits gibt es verzweifelte Menschen, die aus einem der Kampfgebiete verängstigt in Notlager wie das Camp Al-Hol im Nordosten flüchten. Über 50 000 Menschen drängen sich zurzeit in der Kälte und Nässe unter furchtbaren Bedingungen, die allermeisten sind Frauen und Kinder.

Die andere, zweite Wirklichkeit ist die der konstanten Not. Es ist das Syrien, in dem fast zwölf Millionen Menschen ohne humanitäre Hilfe kaum wissen, wie sie die nächsten Wochen überstehen sollen. In diesem zweiten Syrien abseits der letzten Kampfgebiete bricht der soziale Zusammenhalt einer Gesellschaft zusammen. Unicef beobachtet, dass immer mehr Kinder arbeiten müssen und mehr Eltern ihre minderjährigen Töchter verheiraten, damit die Familien entlastet und die Mädchen versorgt sind. In diesem Syrien ist jedes Kind, das wir in eine Notschule bringen, ein Beitrag zum Frieden. Jeder Junge und jedes Mädchen, das wir mit Spielangeboten und psychosozialer Hilfe erreichen, ist ein Hoffnungsträger für die Rückkehr zu einer friedlichen, toleranten syrischen Gesellschaft. Die Zivilbevölkerung braucht Hilfe, die über die Bedürfnisse des reinen Überlebens hinausreicht. Nur, wenn wir Schulen, Kindergärten, Spielplätze, Jugendzentren, sprich: Einrichtungen für Kinder und Jugendliche aufbauen und sie zu sicheren Orten machen, kann die junge Generation eine Generation Zukunft werden, und keine verlorene. Das ist das Ausrufezeichen nach 3000 Tagen und Nächten der Gewalt und der Angst!

Der Autor ist Geschäftsführer von Unicef Deutschland.

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