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Afghanistan darf man nicht aufgeben

Jahr für Jahr gibt es Tausende von Toten unter der Zivilbevölkerung. Auch die Taliban wird stärker. Ein Rückzug wäre fatal.
Von Dr. Reinhard Erös

Dr. Reinhard Erös ist Gründer der Kinderhilfe Afghanistan e.V.
Dr. Reinhard Erös ist Gründer der Kinderhilfe Afghanistan e.V.

„Nichts ist gut in Afghanistan.“ Es ist neun Jahre her, dass eine Bischöfin Margot Käßmann, damals Vorsitzende der EKD, in ihrer Neujahrsansprache mit diesem Satz eine hitzige Diskussion ausgelöst hat. Auch heute hat sich am Wahrheitsgehalt der damals zugegeben überspitzten Formulierung wenig geändert. Im Gegenteil.

Jahr für Jahr gibt es Tausende von Toten unter der Zivilbevölkerung, die Taliban gewinnen zunehmend an Boden, und der in Syrien und Irak weitgehend besiegte Islamische Staat wütet jetzt im Osten Afghanistans. Die 15 000 westlichen Soldaten machen einen hilflosen Eindruck, und von den afghanischen Sicherheitskräften verloren allein im vergangenen Jahr mehr als 4000 junge Männer bei Kämpfen mit den Aufständischen ihr Leben. Trotzdem gilt bei unseren Politikern das Land am Hindukusch als so sicher, dass regelmäßig auch gut integrierte Flüchtlinge abgeschoben werden.

Milliarden Euro wurden seit 2001 am Hindukusch investiert, tausende westlicher Sicherheitskräfte verloren ihr Leben, darunter auch Dutzende unserer eigenen Soldaten. Und in Deutschland werden junge Afghanen, die ihr Land wegen Krieg und Verfolgung verlassen haben, zu Mördern, Vergewaltiger und betrunkenen Schlägern, zuletzt auch in der Oberpfalz. Anscheinend hat sich tatsächlich nichts verbessert. Da scheint es verständlich, dass viele Bürger fordern, jedes Engagement in Afghanistan einzustellen und das Land sich endlich selber zu überlassen.

Aber wäre dies für eine Lösung? Sind unsere Soldaten – auch in den Augen ihrer Angehörigen – dann nicht sinnlos gefallen? Wollen wir uns damit abfinden, dass sich der Terror in einem Land durchsetzt, in dem seit vier Jahrzehnten Krieg herrscht? Kriege übrigens, die von außen ins Land getragen wurden. Ist es Schuld der Afghanen, dass der Westen seit 20 Jahren ohne Strategie politisch und militärisch vor sich hinwurstelt? Ist es uns egal, dass die Hoffnungen von Millionen Buben und Mädchen auf Bildung, Ausbildung, Jobs, auf eine Zukunft in Sicherheit und bescheidenem Wohlstand zerstört werden?

Es sind nur noch eine Handvoll westlicher NGO, die sich der Hoffnungslosigkeit entgegenstemmen und in Afghanistan trotz all der Schwierigkeiten weiter helfen. Die Regensburger Kinderhilfe Afghanistan gehört dazu.

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