MyMz

Aussenansicht

Am Ende siegt Gewaltfreiheit

Wer Konflikte friedlich lösen will, wird oft belächelt. Dass das sehr erfolgreich ist, geht unter, sagt Christine Busch.
Von Christine Busch, Friedens-Aktivistin

Die Autorin Christine Busch ist Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF). Foto: Volker Ulrich
Die Autorin Christine Busch ist Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF). Foto: Volker Ulrich

In Syrien tobt ein blutiger Bürgerkrieg, in Mali bestimmt Gewalt das Bild, dem Terrorismus fallen weltweit Menschen zum Opfer. Wer angesichts dessen für Gewaltfreiheit eintritt, wird belächelt oder verhöhnt. Dass gewaltfreie Konfliktbearbeitung aber erfolgreich ist, dass gewaltfreies Handeln helfen kann, Spannungen und Auseinandersetzungen zu schlichten und Frieden zu schaffen, spielt in der öffentlichen Wahrnehmung leider nur eine geringe Rolle. Zu Unrecht. Eine Untersuchung zur Wirksamkeit gewaltfreier Aktionen gegenüber Aufständen zwischen 1900 und 2006 zeigte, dass gewaltlose Bewegungen mit doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit erfolgreich waren wie solche, in denen zu Gewalt gegriffen wurde.

Und dies auch in Konflikten mit großer Brutalität, wie im Bürgerkrieg in Liberia, der von den „Frauen in Weiß“ beendet wurde, weil sie über die gesellschaftlichen Trennungen hinweg ohne Furcht für den Frieden eintraten. Es gibt viele Beispiele, wo gewaltfreie Aktionen zivilgesellschaftlicher Akteure auch unter Situationen extremer Repression erfolgreich sind. „Die Erfahrung zeigt, dass Menschen, Gemeinschaften und Staaten in der Lage sind, Probleme und Konflikte in allen Bereichen gesellschaftlichen und politischen Lebens auf konstruktive und gewaltfreie Weise zu bearbeiten. Es gibt erprobte Konzepte und Instrumente dafür, Wege aus Gewalt und Schuld zu finden, einander vor Gewalt zu schützen und Versöhnungsprozesse zu gestalten – in Friedenszeiten wie in Krisen- und Kriegssituationen“, heißt es in einer Erklärung der EKD-Synode.

Dazu gehört der Zivile Friedensdienst (ZFD), der sich seit 20 Jahren erfolgreich dafür einsetzt, Konflikte ohne Gewalt zu lösen. Seit 1999 unterstützen 1400 ZFD-Fachkräfte in 60 Ländern, auch in Regionen, in denen Konflikte bereits eskaliert sind, Menschen vor Ort in ihrem Engagement für Menschenrechte, Aussöhnung und Frieden. Sie bringen verfeindete Gruppen in Kontakt, balancieren unterschiedlichen Interessen aus und machen ein friedliches Zusammenleben wieder möglich. Doch diese Arbeit ist oft nicht bekannt, die finanzielle Ausstattung ist viel zu gering, um alle Möglichkeiten einer gewaltfreien Konfliktbearbeitung auszuschöpfen. Doch alle Erfahrungen machen deutlich, dass gewaltfreie Mittel in Konflikten mehr bewirken können als militärische Einsätze.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung der Autorin wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

Hier geht es zu unserem Special „Außenansicht“

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht