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Arbeitskosten müssen runter

Ein Wirtschafts- und Wachstumsprogramm wird in Deutschland dringend benötigt, meint unser Gastautor.
Bertram Brossardt, Geschäftsführer vbm

Bertram Brossardt ist Hauptgeschäftsführer des vbm – Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie e. V.
Bertram Brossardt ist Hauptgeschäftsführer des vbm – Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie e. V.

Die bayerische Metall- und Elektro-Industrie steckt in der Rezession. Das zeigen die Fakten: Im dritten Quartal 2019 weist die Industrieproduktion bereits zum sechsten Mal in Folge einen Rückgang auf und seit Juli dieses Jahres sinkt die Beschäftigtenzahl in der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie saisonbereinigt um rund 500 Personen pro Monat. Die Gründe dafür sind vielschichtig: Die anhaltenden globalen Unsicherheiten sowie das instabile außenwirtschaftliche Umfeld belasten Exporte und Investitionen. Zugleich kämpfen die Unternehmen mit fallenden Auftragseingängen.

Die negative Nachfrageentwicklung lässt auch für die kommenden Monate keinen Umschwung erwarten. Dazu kommt der Veränderungsdruck aus dem Strukturwandel: Digitalisierung, Fachkräftemangel, Klimaschutz und Energiewende sind nur einige der Herausforderungen, vor denen unsere Unternehmen stehen und die es zu bewältigen gilt. Dass wir jetzt gegensteuern müssen, zeigt auch das Ende des langanhaltenden Beschäftigungsaufbaus: Dieser unterstreicht die Dringlichkeit eines Wirtschafts- und Wachstumsprogramms, das unter anderem Steuersenkungen umfasst sowie eine degressive Abschreibung auf Investitionen, zum Beispiel in Digitalisierung. Das muss jetzt kommen, denn ein Ende des Abschwungs ist nicht in Sicht.

Umso wichtiger ist es, dass die Sozialpartner gemeinsam den Erhalt der Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit der Unternehmen sichern. Doch das Tarifvertragssystem steht an einem Scheideweg. Die IG Metall muss sich entscheiden, ob sie zukünftig einen Tarifvertrag für weniger Unternehmen oder einen Flächentarifvertrag für die gesamte M+E Industrie haben will.

Zuallererst muss die fatale Kostenentwicklung der vergangenen Jahre gestoppt werden. Orientierungsgröße für die Lohnpolitik ist der gesamtwirtschaftliche Produktivitätsfortschritt, denn wir können nur verteilen, was wir erwirtschaftet haben. Ziel muss der Abschluss von interessengerechten und akzeptierten Tarifverträgen sein, die Mindestbedingungen für alle abbilden. Nur so können wir gemeinsam für die Zukunftsfähigkeit des M+E Standorts und seiner Beschäftigten eintreten. Wettbewerbsfeindliche Tarifabschlüsse bewirken hingegen das Gegenteil, sind standortfeindlich und schaden der Tarifpartnerschaft.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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