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Artenschutz per Gesetz

Statt Absichtserklärungen braucht es in den beschlossenen Leitlinien rechtlich bindende EU-Gesetzgebung.
von Florian Titze, Experte für Internationale Biodiversitätspolitik, WWF Deutschland

Florian Titze ist Policy Advisor für Internationale Biodiversitätspolitik beim WWF.
Florian Titze ist Policy Advisor für Internationale Biodiversitätspolitik beim WWF.

Berlin.Die EU besitzt einen viel zu großen ökologischen Fußabdruck in der Welt. Damit sind wir Teil eines ernsten Problems, laut der globalen Studie des Weltbiodiversitätsrates aus dem Jahr 2019 könnten rund eine Million Arten innerhalb der nächsten Jahrzehnte verschwinden, wenn sich der Zustand unserer Ökosysteme weltweit weiterhin verschlechtert. Grund für den Rückgang der Artenvielfalt sind unter anderem die immer intensivere Landnutzung, die Übernutzung der Meere und der Klimawandel. Angesichts der großen Herausforderungen ist eine EU-Biodiversitätspolitik, die es bisher oft beim Prinzip der Freiwilligkeit belassen hat, nicht mehr zeitgemäß.

Die letzten selbst gesteckten Biodiversitätsziele hat die EU größtenteils krachend verfehlt. Damit das nicht wieder passiert, müssen die Umweltminister heute für ein Umdenken eintreten. Statt Absichtserklärungen zum Schutz von Arten braucht es in den heute im Umweltrat beschlossenen Leitlinien rechtlich bindende EU-Gesetzgebung für Arten- und Naturschutz. Dabei ist Artenschutz kein Selbstzweck. Ohne eine intakte Natur ist auch die Klimaneutralität in der EU unerreichbar. Wälder, Moore, Flüsse, Seen und anderen Ökosysteme sind wichtige Kohlenstoffspeicher, die die Erderhitzung begrenzen. Wenn Wälder brennen und Moore trockengelegt werden, wird andererseits immer mehr CO2 freigesetzt. Biodiversität und Klimaschutz sind zwei Seiten einer Medaille. Deshalb müssen nun vor allem intakte Ökosysteme geschützt und bereits zerstörte Flächen wiederhergestellt werden. Dafür braucht es ein europaweites Renaturierungsprogramm. Und damit es nicht nur bei guten Absichten der Mitgliedsstaaten zur Wiederherstellung ihrer zerstörten Ökosysteme bleibt, sollte diese Maßnahme rechtsverbindlich sein.

Die heute beschlossenen Leitlinien legen den Grundstein für den Schutz biologischer Vielfalt im nächsten Jahrzehnt, nicht nur in Deutschland und Europa, sondern weltweit. Denn aus den Leitlinien folgen sowohl die EU-Biodiversitätsziele als auch Ambitionen für den Weltbiodiversitätsgipfel 2020. Eine Riesenchance für Verbindlichkeit: Umweltministerin Svenja Schulze muss heute endlich eine deutliche Sprache sprechen und angesichts des globalen Artensterbens rechtlich bindende EU-Gesetzgebung für Arten- und Naturschutz fordern.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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