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Bayern droht eine Stromlücke

Der Freistaat hat es bislang versäumt, ein überzeugendes Konzept für eine Energiewende vorzulegen, meint unser Gastautor.
Dr. Bernd Wust, Rechtsanwalt

Dr. Bernd Wust ist stellvertretender Landesvorsitzender des Bundesverbands Wind-Energie, Landesverband Bayern.
Dr. Bernd Wust ist stellvertretender Landesvorsitzender des Bundesverbands Wind-Energie, Landesverband Bayern.

In einem gemeinsam mit dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Kretschmann formulierten und an Bundeskanzlerin Merkel adressierten Brief hat Ministerpräsident Söder kürzlich „auch für den Süden und die Länder Baden-Württemberg und Bayern eine nachhaltige energiepolitische Perspektive“ gefordert. Söder warnt, wie übrigens auch der Verband der bayerischen Wirtschaft (VBW), dass mit dem Wegfall der Kernenergie und der Kohleverstromung eine Versorgungslücke drohe.

Aus Sicht der bayerischen Windbranche mahnt Söder deswegen zu Recht an, dass die im Koalitionsvertrag von Union und SPD vorgesehene regionale Steuerung bei den Erneuerbaren sowie der vorgesehene Mindestanteil über alle Erzeugungsarten südlich des Netzengpasses zeitnah gesetzlich umgesetzt werden müssten. Richtig ist aber auch, dass die Staatsregierung es bislang selbst versäumt hat, ein überzeugendes Konzept für eine erneuerbare Energiewende im Freistaat vorzulegen. Insbesondere die Windenergie als – neben der Photovoltaik – größter und wichtigster Baustein einer CO2-freien Stromversorgung ist mit Einführung der 10H-Regelung seit 2014 systematisch zurückgefahren worden – bis heute auf nahezu Null. Hätte man stattdessen die Entwicklung der Jahre 2013 und 2014 fortgesetzt, würde man in Bayern bereits im Jahr 2022 jährlich 7 Terawattstunden zusätzlichen Windstrom erzeugen. Dies entspricht einem Drittel der Jahresproduktion der beiden Atomkraftwerke, die Ende 2021 (Gundremmingen C) und Ende 2022 (ISAR 2) vom Netz gehen.

In einem aktuellen Maßnahmenpapier sieht die Windkraftbranche Bedarf an einem jährlichen Windenergie-Zubau bis 2030 im Bereich von 1,2 bis 1,3 Gigawatt Leistung im Süden Deutschlands, um den nationalen Energie- und Klimazielen gerecht zu werden. Auf Basis der aktuellen Anlagentechnologie entspricht dies für Bayern einem Zubau von landesweit bis zu 140 Windenergieanlagen pro Jahr beziehungsweise von gerade einmal 2 Windenergieanlagen pro Landkreis und Jahr. Wenn Bayern diese Flächen nicht bereitstellt, wird der geforderte Mindestanteil an Windausbau im Süden verpuffen. Und ohne diesen Ausbau der Windkraft wird eine preiswerte, klimaverträgliche und sichere Energieversorgung Bayerns künftig nicht möglich sein.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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