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Bildung: Gemeinsinn statt Eigensinn

Deutschland braucht eine einheitliche Schulstruktur und keinen Bildungs-Fleckerlteppich, meint unser Gastautor.
Ludwig Haas, ehemaliger Konrektor

Ludwig Haas ist ehemaliger Konrektor an der Realschule am Judenstein und langjähriger abgeordneter Lehrer im Auslandsschuldienst.
Ludwig Haas ist ehemaliger Konrektor an der Realschule am Judenstein und langjähriger abgeordneter Lehrer im Auslandsschuldienst.

Der Bund will für fünf Jahre 5,5 Milliarden Euro für eine modernere Ausstattung, sprich Digitalisierung der Schulen ausgeben. Die Länder sollen sich deshalb darum kümmern, dass Schulen und Lehrkräfte für die Zukunft fit gemacht werden. Doch die Länder lehnen es bisher ab, das Geschenk zu akzeptieren, weil Bildungspolitik Ländersache ist, dies ihrer Meinung nach ein „Frontalangriff auf den Föderalismus“ und eine „schrittweise Aushöhlung der Verwaltungshoheit der Länder“ sei. Stein des Anstoßes ist die Kofinanzierungsklausel, die besagt, dass die Länder einen Teil mitfinanzieren müssen, wenn sie Geld bekommen. Beim Bildungspakt sind dies zehn Prozent. Der Bund will dies deshalb sicher stellen, damit zum Beispiel die 780 Millionen für Bayern auch für Schulen ausgegeben werden und nicht zweckentfremdet in anderen Etat-Töpfen landen.

Bisher war es so, dass das Kooperationsverbot von 2006 den Einfluss des Bundes beschnitt. Die 16 Stammesfürsten in den Ländern, ihre Kultusminister und Ministerialen brauchten sich nicht in die Bildungspolitik dreinreden lassen, Einfluss und Posten waren somit gesichert. Die bildungspolitische Kleinstaaterei und Kirchturmpolitik wurde damit zementiert. Leidtragende des Zuständigkeitswirrwarrs und Politikergerangels auf Kindergartenniveau sind dabei Lehrer, Schüler und Eltern, die alle sehnsüchtig darauf warten, dass es in Sachen Digitalisierung endlich vorwärtsgeht und man im internationalen Vergleich nicht noch weiter zurückfällt. Für Gezänk von beleidigten und gekränkten Landespolitikern haben sie kein Verständnis.

In der Tat wäre im Bildungsbereich dringend mehr Zusammenarbeit und Gemeinsinn statt Eigensinn der Länder vonnöten. Deutschland braucht eine einheitliche Schulstruktur und keinen Bildungs-Fleckerlteppich, keine zig-fachen Schularten, bei denen keiner mehr durchblickt, nicht Hunderte von verschiedenen Lehrplänen, die Eltern und Kinder beim Umzug etwa von Köln nach München vor große Probleme stellen. Wir brauchen aber vergleichbare und von allen anerkannte Abschlüsse, eine einheitliche Lehrerausbildung, die es Lehrern ermöglicht das Bundesland zu wechseln, ein bundeszentrales Abitur mit einem gemeinsamen Aufgabenpool und kein „Nord- oder Südabitur“.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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