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Brexit trifft auch die Region Ostbayern

Die stark exportorientierten Wirtschaftsunternehmen in Ostbayern profitierten besonders vom EU-Binnenmarkt.
Thomas Hanauer

IHK-Experte Thomas Hanauer
IHK-Experte Thomas Hanauer

Regensburg.Heute stimmt das britische Unterhaus ein zweites Mal über das Brexit-Abkommen von Premierministerin Theresa May ab. Stimmt es zu, steht dem geregelten Brexit zum 29. März wohl nichts mehr im Wege. Lehnt es den Deal erneut ab, kommt es morgen zur Abstimmung über den harten Brexit. Wird auch der abgelehnt, wird der Brexit am Donnerstag vielleicht um ein paar Wochen verschoben. Was dann kommt, weiß man nicht. Wer bis zum letzten Moment pokert und nichts auf der Hand hat, wird am Ende verlieren. Ostbayerns Unternehmerinnen und Unternehmer als Teilnehmer des EU-Binnenmarkts können nur sagen: Die Briten werden verlieren, wenn sie die Karten auf den Tisch legen müssen.

„Ohne die EU gäbe es keine A6 nach Pilsen und Prag, die mit der A93 die Region mit Gewerbegebieten und Arbeitsplätzen erschließt.“

Thomas Hanauer, IHK-Experte

Die stark exportorientierte Wirtschaft Ostbayerns profitiert besonders vom EU-Binnenmarkt. Dabei ist das vereinte Europa aus betriebswirtschaftlicher Sicht betrachtet ein Hygienefaktor, über den man nicht redet, dessen Verlust aber schmerzen würde. Ohne den Binnenmarkt ginge es uns wirtschaftlich schlechter, nur haben viele das vergessen – nicht nur die Briten. Europas vier Grundfreiheiten – der freie Verkehr von Personen, Waren, Dienstleistungen und Kapital – sind die wesentlichen Gründe dafür, warum aus dem strukturschwachen Zonenrand-Fördergebiet in der Oberpfalz eine prosperierende Wirtschaftsregion wurde. Ohne die EU gäbe es keine A6 nach Pilsen und Prag, die mit der A93 die Region mit Gewerbegebieten und Arbeitsplätzen erschließt. Es gäbe keine so hohe Nachfrage nach den Waren, die die Menschen hier auf höchsten Niveau entwickeln und herstellen. Je vernetzter unsere Unternehmen auf der Welt werden, umso mehr wird uns bewusst, wie einfach es ist, in einem EU-Land eine Niederlassung zu eröffnen, dort zu investieren, Personal zu beschaffen und Handel zu treiben.

Der EU-Binnenmarkt vereinfacht die Ein- und Ausfuhr der Waren. 17 Prozent mehr Exporte wären nach einem harten Brexit beim Zoll zu deklarieren, zehn Prozent mehr Importe. Kilometerlange Lkw-Schlangen bilden sich an den Häfen in Richtung Großbritannien, es gibt Chaos bei der Abfertigung in Dover. So könnte es aussehen, wenn in zwei Wochen das Vereinigte Königreich ohne Abkommen die EU verlässt. Hoffen wir, dass es in letzter Sekunde noch anders kommt.

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