MyMz

Außenansicht

Chancen für arme Kinder

Wenn alle Kinder eine Grundsicherung bekommen, könnten – ganz unbürokratisch – alle weiteren Leistungen gestrichen werden.
Von Wolfgang Büscher, Sprecher des Kinderprojekts die Arche.

Regensburg.Was kostet das Mittagessen in der Schule? Was kosten das Busticket, die Hefte und Bücher? Was kosten eine Urlaubsreise, ein Kino- oder Theaterbesuch? Die Aufzählung kann man beliebig fortsetzen. Es gibt Millionen von Kindern in Deutschland, die auf vieles, ja auf fast alles verzichten müssen, und das nur, weil ihre Eltern wenig Geld zur Verfügung haben.

Eltern, die Hartz IV beziehen, erhalten das Kindergeld nicht in voller Höhe. Es wird angerechnet auf die Transferleistungen. Der Vorstandsvorsitzende eines Konzerns hat auf dem Konto mehr Kindergeld, als eine alleinerziehende Mutter mit drei Kindern, die nur „geringfügig“ beschäftigt ist und mit Hartz IV aufstocken muss. Eine Schande für ein immer noch reiches Land wie Deutschland. Nun sagen viele: „Arbeit muss sich lohnen. Natürlich profitieren Kinder von leistungsstarken Eltern stärker als die von den sozial schwachen Familien.“ Aber warum müssen Kinder die Zeche ihrer Eltern zahlen? Ist das nicht so etwas wie Sippenhaft?

Durch das „Starke-Familien-Gesetz“, das kürzlich in Kraft trat, sollen einkommensschwache Familien entlastet werden, aber auch hier müssen Kinder sich auf die Aktivitäten der Eltern verlassen. Die erhalten durch dieses neue Gesetz künftig mehr finanzielle Unterstützung, aber jede Leistung muss extra beantragt werden und es gibt Eltern, die damit überfordert sind. Die Erfahrungen konnten wir in den Arche-Kinder- und Jugendeinrichtungen in ganz Deutschland sammeln. Wir müssen das ganze System ändern und das am Besten durch eine Grundsicherung für alle Kinder.

Wenn alle Kinder in Deutschland zum Beispiel monatlich eine Grundsicherung von 600 Euro erhalten würden, dann könnten – ganz unbürokratisch – alle weiteren Leistungen gestrichen werden. Das wäre dann wirklich ein Einkommen für die Kinder und ausdrücklich nicht für die Eltern. Ausgezahlt werden sollte es vom ersten Tag an bis zur Vollendung des 27. Lebensjahres. Vor einigen Wochen wollten wir in der Arche ein 17-jähriges Mädchen belohnen, die ein Jahr vor dem Abitur steht. Wir schenkten ihr Geld für einen Restaurantbesuch zusammen mit ihrer Mutter. „Wie macht man das, was muss ich beachten, in war noch nie in einem Restaurant.“ Sie war vollkommen aufgelöst. So etwas darf einfach nicht sein. Lassen Sie uns gemeinsam kämpfen für starke Kinder in Deutschland.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht