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Den K. o.-Tropfen den Kampf ansagen

In Regensburg werden immer mehr Frauen vergewaltigt, nachdem ihnen Drogen ins Getränk gemischt worden waren.
Andrea Erl, Beraterin

Andrea Erl ist Beraterin beim Frauennotruf Regensburg.
Andrea Erl ist Beraterin beim Frauennotruf Regensburg.

Pass auf , dass dir niemand was ins Glas tut! Jede jüngere Frau kennt diesen Satz. Frauennotrufe, Medien, Discothekenbesitzer warnen regelmäßig vor K. o.-Tropfen. Mit wenig Erfolg. Die Zahl von Vergewaltigungen unter K. o.-Tropfen sind in der Statistik des Frauennotrufs Regensburg in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Sogar die UNO warnte in ihrem Drogenreport schon 2010 davor, dass der Einsatz von Vergewaltigungsdrogen stark zugenommen habe. Es braucht also mehr, als den jungen Frauen die alleinige Verantwortung für ihre Unversehrtheit zuzuschieben – politisches Handeln ist gefragt.

Die bekanntesten K. o.-Tropfen sind Gamma Hydroxbutyrat (GHB) und Gamma-Butyrolacton (GBL). GBL und die Droge GHB sind zwar unterschiedliche Substanzen, hängen aber eng zusammen. Konsumiertes GBL wird im Körper binnen Sekunden in das Rauschmittel GHB umgewandelt. GBL, das als Lösungsmittel nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fällt, kann legal im Internet bestellt werden. Die leichte Verfügbarkeit senkt leider bei vielen, überwiegend jungen Männer, die Hemmschwelle, die Substanzen einzusetzen.

Die Beweislage bei Sexualverbrechen ist immer schwierig. Spielen K. o.-Tropfen eine Rolle, ist sie katastrophal. Für einen Nachweis müssen die Opfer innerhalb von sechs bis acht Stunden ihr Blut analysieren lassen. Hinzu kommt der Filmriss bei den Opfern, was sie zu „schlechten Zeuginnen“ macht. Genaue Angaben zum Tathergang sind so gut wie unmöglich. Die Frauen finden sich meist an unbekannten Orten wieder, wenig bekleidet oder nackt, mit rasenden Kopfschmerzen, oft mit weiteren Verletzungen sowie dem sicheren Gefühl, Geschlechtsverkehr gehabt zu haben.

Es ist an der Zeit, dass der Gesetzgeber handelt. GBL fällt nicht unter das Betäubungsmittelgesetz, weil es industriell in großen Mengen benötigt wird. Ärzte und Beraterinnen fordern jedoch seit langem, dass die Hersteller von GBL dazu verpflichtet werden, das Lösemittel mit Bitter- oder Farbstoffen zu versetzen, damit es erkannt werden kann. Industrie-Alkohol wird seit langem durch beigefügte Stoffe ungenießbar gemacht. Ein ähnlicher Schritt ist überfällig, um Frauen und Mädchen wirkungsvoll vor K. o.-Tropfen zu schützen.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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