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EU-Austritt

Der Brexit trifft Ostbayern

Die Hängepartie schadet nicht nur Großbritanniens Wirtschaft. Sie erschwert die Investitionsplanungen deutscher Firmen.
Dr. Jürgen Helmes, Hauptgeschäftsführer der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim

Dr. Jürgen Helmes, Hauptgeschäftsführer der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim
Dr. Jürgen Helmes, Hauptgeschäftsführer der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim

Fast täglich wartet das Brexit-Drama mit neuen Episoden auf. Der Ausgang bleibt ungewiss, auch drei Monate vor dem avisierten Austrittsdatum 29. März 2019. Großbritannien verlangt seinen internationalen Handelspartnern viel Geduld ab. Die Hängepartie schadet nicht nur Großbritanniens Wirtschaft. Sie erschwert die Investitionsplanungen der Firmen aus der Oberpfalz und dem Landkreis Kelheim. Mehr als 260 regionale Unternehmen aus Industrie-, Handel und Dienstleistungen pflegen Geschäftsbeziehungen auf die Insel. Der Schwerpunkt liegt im Export und da in den Branchen Maschinenbau, Metallerzeugnisse und elektronische Bauelemente. Schon jetzt verliert UK an Bedeutung. War es zum Brexit-Referendum 2016 noch der drittwichtigste Handelspartner Deutschlands, steht es aktuell nur noch auf Rang fünf, Tendenz fallend. Nicht für jedes Unternehmen wird Großbritannien als EU-Drittland attraktiv bleiben. Und die Brexiteers werden sich auf höhere Preise einstellen müssen, wenn sie weiterhin Waren aus der Union beziehen wollen.

Großbritannien wird weiterhin an guten Geschäftsbeziehungen mit dem Kontinent interessiert sein. Doch angesichts des gegenwärtigen Chaos in der britischen Politik rät die IHK ihren Mitgliedsunternehmen, sich für alle Eventualitäten zu wappnen. Noch immer steht ein ungeordneter Brexit im Raum – das schlimmste Szenario für alle. Für die wenigen ostbayerischen Firmen, die aus UK Waren einführen, würde sich das Geschäft wegen der Zollschranken erst einmal gar nicht mehr lohnen. Und wer nach Großbritannien liefert, der sollte sich vertraglich absichern, Zahlungen nur noch in Euro akzeptieren und höhere Zollkosten dem britischen Partner auferlegen.

Für Ostbayerns Wirtschaft hat der Brexit weitere Folgen. Geht UK, dann verlässt ein wichtiger Nettozahler die EU. Das verschiebt die Finanzarchitektur im gesamten europäischen Strukturfond. Die Grenzregion in Ostbayern müsste mit weniger Unterstützung durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung EFRE rechnen. Deshalb fordert die IHK für die neue Förderperiode 2021 bis 2027, dass der ländliche Raum mehr Gewicht erhält, indem Kriterien wie die Infrastrukturentwicklung und der Demografische Wandel miteingerechnet werden. Am Ende bringt der Brexit Verluste für alle. Am meisten kostet er die Briten selbst.

Der Autor ist Hauptgeschäftsführer der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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