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Der Glaube als ein Prüfstein

Ohne Religionsfreiheit ist die freiheitliche Grundordnung in Gefahr. Viele können ihre Religion aber nicht frei ausüben.
Von Florian Ripka

Florian Ripka ist Geschäftsführer von „Kirche in Not“ Deutschland.
Florian Ripka ist Geschäftsführer von „Kirche in Not“ Deutschland.

Religionsfreiheit ist kein Menschenrecht zweiter Klasse. Wo sie fehlt, steht unsere freiheitliche Grundordnung auf dem Spiel. Wie wichtig sind Ihnen Menschenrechte? Wenn Sie jetzt sagen; „äußerst wichtig“ oder „sehr wichtig“, befinden Sie sich in guter Gesellschaft: 77 Prozent der deutschen Bevölkerung sagen dasselbe, so eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Päpstlichen Stiftung „Kirche in Not“. 70 Jahre wurde die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte am 10. Dezember. Schon in der Einleitung wird das Recht auf Freiheit des Glaubens hervorgehoben. Gefragt, wie wichtig ihnen das Menschenrecht auf Religionsfreiheit ist, antworteten in der Umfrage 54 Prozent „äußerst wichtig“ oder „sehr wichtig.“ Nur 54 Prozent oder immerhin 54 Prozent?

Was für ein hohes Gut, in einer Gesellschaft zu leben, in der glauben kann, wer glauben will, aber nicht glauben muss, was andere glauben wollen! Wenn Religionsfreiheit fehlt, bedeutet das: kein Weihnachtsbaum, keine Krippe, heimlich zum Weihnachtsgottesdienst in Hinterzimmern schleichen, beim Religionswechsel, Abweichung vom verordneten Glauben oder als „Ungläubiger“ Gefängnis oder gar den Tod riskieren. Für Millionen Menschen weltweit ist das kein Gedankenexperiment, sondern eine Frage auf Leben und Tod! „Kirche in Not“ hat kürzlich den Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2018“ vorgestellt. Rund 60 Prozent der Weltbevölkerung leben in Ländern, in denen Religionsfreiheit nicht respektiert wird.

Eine abnehmende Aufmerksamkeit für Diskriminierung und Verfolgung wäre Öl ins Feuer all jener, die Werte und Grundrechte unserer Gesellschaft als „westliches Teufelszeug“ bekämpfen. Wem Menschenrechte wichtig sind, dem kann Religionsfreiheit nicht gleichgültig sein! Weihnachten mit allem, was (für eine freie Gesellschaft) dazu gehört, kann das bewusst machen – und zur Solidarität anspornen. Deshalb begeht die katholische Kirche in Deutschland am zweiten Weihnachtstag, dem Fest des ersten Märtyrers Stephanus, den Gebetstag für verfolgte und bedrängte Christen. Religionsfreiheit ist der Prüfstein für unsere Menschlichkeit. Für uns wäre es eine Schande, wenn wir durchfallen. Für verfolgte Christen und andere religiöse Minderheiten wäre es der sichere Tod. Sie warten auf unsere Hilfe!

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