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Der Kampf gegen Doping

Würde der Anti-Doping-Agentur WADA die Regelungskompetenz entzogen, hätte das den Vorteil höherer Flexibilität.
Von Stefan Chatrath, Professor für Sportmarketing

Regensburg.Anfang November kamen sie wieder zusammen: die Anti-Doping-Kämpfer dieser Welt. Die WADA lud sie ein, um den neuen WADA-Code vorzustellen. Dieser Code, das weltweit gültige Anti-Doping-Regularium, wurde nun zum dritten Mal grundsätzlich überarbeitet. Zeit, Bilanz und Konsequenzen zu ziehen: Die WADA unterliegt keiner nennenswerten Rechenschaftspflicht gegenüber den Betroffenen, die sie reguliert: den Sportlern. Dieser Mangel hat zu einem anti-liberalen und menschenrechtswidrigem Regularium geführt, das mit den Prinzipien einer liberal-demokratischen Gesellschaft nur schwer zu vereinbaren ist. Dazu kommt, dass das Anti-Doping-Regelwerk der WADA bis in den deutschen Rechtsraum hineinwirkt: Die WADA definiert, wie hierzulande ein Straftatbestand aussieht, der im schlimmsten Fall einen mehrjährigen Gefängnisaufenthalt mit sich bringen kann.

Das darf nicht sein: Die Regelungskompetenz muss schnellstmöglich in den Bundestag zurückgeholt werden – auch deshalb, weil der WADA-Code, mangels eindeutiger Doping-Definition, selbst verfassungswidrig ist. Wir brauchen daher dringend eine Reform, die den Regulator in seiner Regelungsmacht begrenzt: Als Legislative sollte die WADA gegenüber den Sportlern Rechenschaft ablegen. Dementsprechend sollte es den Sportlern möglich sein, die Verantwortungsträger abzuwählen, wie im organisierten Sport ansonsten üblich. Die Sportler sollten zudem die Möglichkeit bekommen, das Anti-Doping Regelwerk selbst zu entwickeln. Dazu müssten sie sich Repräsentanten wählen, die sie national und international vertreten. Erst auf dieser Grundlage kann ein Anti-Doping Regelwerk entstehen, dass von jedem einzelnen Sportler mitgetragen werden kann. Bei einigen Sportarten macht es Sinn, sich international abzustimmen.

Aber wir brauchen keine WADA, die ein Regelwerk für alle Sportarten der Welt erlässt. Würde der WADA die Regelungskompetenz entzogen, hätte das den Vorteil höherer Flexibilität. Änderungen könnten leichter umgesetzt werden, eine Belebung des Diskussionsprozesses wäre sicherlich zu erwarten. Das wäre eine zu begrüßende Entwicklung, ermöglicht sie doch einen Lernprozess, den der Sport zu seiner Weiterentwicklung braucht, auch bei der Doping-Bekämpfung.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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