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Der Kampf gegen Plastikmüll

Der globale Meeresmüll in den Ozeanen trägt auch den Absender Deutschland. Es wird Zeit, dass sich politisch etwas tut.
Bettina Kelm, Umweltexpertin

Bettina Kelm ist Referentin für Umweltbildung an Schulen bei der Umweltorganisation One Earth – One Ocean e.V. Foto: Kelm
Bettina Kelm ist Referentin für Umweltbildung an Schulen bei der Umweltorganisation One Earth – One Ocean e.V. Foto: Kelm

In den Ozeanen treiben geschätzte 140 Mio. Tonnen Plastikmüll. Fünf bis zwölf Mio. kommen pro Jahr hinzu – rund ein Drittel davon sind Verpackungen – auch aus Deutschland! Jeder kennt inzwischen die Bilder von vermüllten Stränden, in Netzen verhedderter Schildkröten, toter Wale und Seevögel, den Magen voller Reste unserer Wegwerfgesellschaft. Das Thema ist inzwischen auch in großen Talk-Sendungen wie bei Plasberg angekommen. Das ist gut so.

„Wie wäre es, wenn man einheitliche Mehrweg Take-away Boxen und Mehrweg-to-go-Becher in die Leergutannahme im Supermarkt stecken könnte?“

Doch leider sind unsere Regale immer noch gefüllt mit Absurditäten. Obwohl Mehrwegpfandflaschen klimafreundlicher und ressourcenschonender sind, werden sie im Preiskampf der Discounter zurückgedrängt. 17 Milliarden Einwegplastikflaschen verbrauchen Deutsche im Jahr, der Anteil bei Einweg-Mineralwasserflachen liegt inzwischen bei 50 Prozent. Klug wäre eine Ausweitung des Mehrwegpfands – auch auf andere Lebensmittelbereiche. Wie wäre es, wenn man einheitliche Mehrweg Take-away Boxen und Mehrweg-to-go-Becher in die Leergutannahme im Supermarkt stecken könnte?

Handel

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Real will rund 70 Millionen Plastikbeutel einsparen. Der Einzelhändler übernimmt mit dem Schritt eine Vorreiterrolle.

Um die Verpackungsberge in den Griff zu bekommen ist die Aufklärung der Verbraucher ein wichtiger Ansatz, doch ohne echten politischen Willen wird es nicht klappen. Als Träger des traurigen Titels „Verpackungseuropameister“ mit 220 Kilogramm verbrauchten Verpackungen pro Nase ist es höchste Zeit, dass sich in Deutschland endlich auch politisch etwas tut.

Von 5,2 Mio. Tonnen angefallenem Kunststoffmüll in 2017 flossen nur 0,81 Mio. Tonnen als Rezyklat erneut zum Einsatz in die deutsche Kunststoffproduktion zurück. Das macht einen Recyclinganteil von nicht ganz 16 Prozent! Der Rest wird verbrannt oder ins Ausland exportiert. Dass die thermische Verwertung und die Entsorgung – egal wie – im Ausland zum Recycling gezählt wird, lässt unser Recycling-System in einem besseren Licht stehen, als es in Wirklichkeit ist.

Wer sich die Frage stellt, wo unser Müll nach dem Importstopp Chinas für minderwertigen Kunststoffabfall eigentlich landet: Greenpeace hat Anfang des Jahres ans Licht gebracht, dass 2018 etwa 100 000 Tonnen deutscher Kunststoffmüll allein nach Malaysia exportiert wurden. Deutsche Verpackungen verrotten dort auf Deponien, gelangen in die Landschaft, in Flüsse und ins Meer. Der globale Meeresmüll trägt also auch unseren Absender.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung der Autorin wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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