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Donnerstag, 20. September 2018 27° 1

Migration

Die Fluchtursachen bekämpfen

Auf Mitgefühl folgt nun immer häufiger die Ablehnung von Geflüchteten. Dabei blieben die Missstände in deren Heimat.
Sophie Klein, Entwicklungshelferin

Sophie Klein ist Mitarbeiterin bei Amref Health Africa.
Sophie Klein ist Mitarbeiterin bei Amref Health Africa.

Flüchtlingsboote, Willkommenskultur, Abschiebequoten – nach einer anfänglichen Welle des Mitgefühls, macht sich Ernüchterung, Gleichgültigkeit und immer häufiger auch Ablehnung breit. Doch die Missstände, die Menschen zur Flucht aus ihrer Heimat bewegt haben, bleiben.

Hilfsorganisationen wie Amref Health Africa versuchen, die Situation in den Herkunftsländern zu verbessern. Die afrikanische Organisation setzt sich seit über 60 Jahren für eine Stärkung lokaler Strukturen und eine bessere Gesundheitsversorgung ein. Für diese Arbeit ist sie auf die Unterstützung von Spendern angewiesen. Wo die Symptome des Elends deutlich sichtbar sind, wo emotionale Themen wie Hunger oder akute Lebensgefahr dominieren, da ist Aufmerksamkeit leicht erzeugt. Doch schnelle und einfache Lösungen gibt es beim Kampf gegen strukturelle Ursachen von Flucht nicht. Dies stellt Hilfsorganisationen, die an nachhaltigen Lösungen arbeiten, im Wettbewerb um Aufmerksamkeit vor eine große Herausforderung.

Dabei stellt sich die Frage der Relevanz angesichts aktueller Zahlen nicht: Zwar ist die Zahl der Asylanträge in Deutschland 2017 um 100 000 auf 186 644 Anträge gesunken. Doch kann dies nicht über die Situation weltweit hinwegtäuschen: Laut UN-Flüchtlingswerk sind 68,5 Millionen Menschen auf der Flucht. Und nirgends sind es so viele wie in Afrika. Sie fliehen innerhalb des eigenen Landes oder in die Nachbarstaaten. Allein das kleine Uganda nahm 2016 über eine Millionen südsudanesische Flüchtlinge auf. Mit weltweit steigenden Flüchtlingszahlen stoßen auch diese Länder an ihre Grenzen. Deshalb ist es wichtig, vor Ort die Strukturen zu stärken, damit Menschen nicht unter Lebensgefahr in Richtung Europa fliehen müssen.

„Fluchtursachen bekämpfen“ lautet folgerichtig die Antwort von Politikern aller Couleur. Und doch verschließt die Weltgemeinschaft zunehmend die Augen vor der Situation in Krisenländern wie dem Südsudan. 2017 war die Mission des UN-Flüchtlingswerks in der Region zu nur einem Drittel finanziert. Auch in der deutschen Gesellschaft beschränkt sich die Wahrnehmung mehr und mehr auf die Herausforderungen hierzulande. War die ‚Flüchtlingskrise‘ 2015 nicht Weckruf genug? Es sollte uns klar sein, dass sich jeden Tag neue Flüchtlingsdramen abspielen. Darum braucht es langfristige Lösungen, aus Afrika für Afrika. Jetzt.

Die Autorin ist Mitarbeiterin bei Amref Health Africa.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung der Autorin wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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