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Außenansicht

Die Tür in eine andere Welt

Der Schüleraustausch hat zur Völkerverständigung beigetragen. Das neue G9 gibt Gelegenheit zum Blick über den Tellerrand.
Von Bayerns Kultusminister Michael Piazolo und US-Generalkonsulin Meghan Gregonis

Meghan Gregonis ist seit Juli 2018 Generalkonsulin der Vereinigten Staaten in München. Foto: US-Generalkonsulat München
Meghan Gregonis ist seit Juli 2018 Generalkonsulin der Vereinigten Staaten in München. Foto: US-Generalkonsulat München

Regensburg.J. William Fulbright, der amerikanische Senator und Namensgeber eines renommierten Austauschprogrammes, sagte einmal: „Von allen Joint Ventures, an denen wir uns beteiligen können, ist meiner Meinung nach der Bildungsaustausch das produktivste. [Er ist] nicht nur eine der schönen, aber marginalen Aktivitäten […], in denen wir uns in internationalen Angelegenheiten engagieren, sondern auch aus der Sicht des zukünftigen Weltfriedens wahrscheinlich die wichtigste und potenziell lohnendste unserer außenpolitischen Aktivitäten“.

Wer an einem Schüleraustausch teilnimmt, hat die einmalige Chance, länger in eine andere Kultur einzutauchen und Land und Leute aus einer unmittelbaren Perspektive kennenzulernen. Man erkennt Unterschiede zur eigenen Kultur, oftmals aber auch Gemeinsamkeiten, die uns mit den Menschen im Ausland verbinden. Austauschprogramme öffnen Türen – in andere Länder, neue Sprachen, Gastfamilien – und in die Welt. Sie erweitern unseren Blick, fördern das gegenseitige Verstehen und bereichern den interkulturellen Dialog.

Da setzt auch der internationale Schüleraustausch in Bayern an. Mittlerweile nehmen jedes Jahr mehr als 30.000 bayerische Schülerinnen und Schüler an einer Austauschmaßnahme teil; davon gingen im Schuljahr 2017/2018 rund 2.000 in die USA. Fahrt aufgenommen hat der deutsch-amerikanische Schüleraustausch in den Jahren 1948/1949. Damals musste man für die Atlantikpassage per Schiff noch mehrere Tage veranschlagen. In den USA angekommen, verbrachten die Schülerinnen und Schüler ein Jahr in Gastfamilien und besuchten die örtliche High School. Was heute Standard ist, war damals – kurz nach den Wirren und Verwerfungen des Zweiten Weltkriegs – eine Revolution. Die Schülerinnen und Schüler wurden Botschafter eines neuen Deutschlands und nahmen die Besatzungsmacht USA ganz neu wahr. Der Austausch trug so maßgeblich zur Völkerverständigung bei.

Heute sind Bayern und die USA in allen Lebensbereichen aufs Engste miteinander verflochten. So sind die Vereinigten Staaten der zweitwichtigste Handelspartner des Freistaats sowie dessen wichtigster Exportpartner. Die bayerisch-amerikanischen Beziehungen sind historisch gewachsen und fußen auf unseren gemeinsamen Werten wie Freiheit, Demokratie, Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit.

Kultusminister Michael Piazolo Foto: Peter Kneffel/dpa
Kultusminister Michael Piazolo Foto: Peter Kneffel/dpa

Auch heute eignen sich Schülerinnen und Schüler im Rahmen eines Austausches Fertigkeiten an, die sie ihr Leben lang begleiten werden und die sich – ganz nebenbei bemerkt – auch in jedem Lebenslauf sehen lassen können. Denn Personaler schauen immer genauer auf sogenannte „erworbene Diversitätsmerkmale“: Auslandserfahrung, eine globale Denkweise, interkulturelle und fremdsprachliche Kompetenzen, Selbständigkeit, Flexibilität und Mobilität. Schülerinnen und Schüler erwerben bei ihren Auslandsaufenthalten wertvolle Kenntnisse, die im Berufsleben gefragt sind. Der internationale Schüleraustausch stellt also eine wertvolle Ergänzung des Regelunterrichts dar. Während Klassen- bzw. Gruppenaustausche überwiegend in den Jahrgangsstufen 7 bis 10 der bayerischen Gymnasien durchgeführt werden, nehmen Schülerinnen und Schüler für Einzelaustauschprogramme oftmals die Zeit nach der 10. Jahrgangsstufe und vor Eintritt in die gymnasiale Oberstufe in den Blick.

Das im Schuljahr 2018/2019 neu eingeführte neunjährige Gymnasium soll diesen Jugendlichen die Gelegenheit bieten, den internationalen Austausch vermehrt wahrzunehmen. Natürlich können und sollen auch Schülerinnen und Schüler der anderen Schularten vom Blick über den nationalen Tellerrand profitieren. Denn eines zeigen Umfragen unter Absolventinnen und Absolventen: Sie möchten die Austauscherfahrung in der Regel um nichts in der Welt missen.

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