MyMz

Aussenansicht

Die Welt wartet nicht auf uns

Glasfaser, 5G und Co.: Deutschland und auch Ostbayern sind dabei, die Zukunft zu verschlafen.
Gerhard Gröschl, Obermeister der Elektroinnung

Nur zu gerne schreibt sich die Politik auf die Fahnen, wie erfolgreich unser Wirtschaftsstandort ist. Der Konjunkturjubel überdeckt aber, dass Deutschland und auch Ostbayern dabei sind, die Zukunft zu verschlafen.

Wir riskieren, international abgehängt zu werden. Denn wir schaffen die Infrastruktur nicht, die schon in wenigen Jahren Voraussetzung für unseren Erfolg sein wird. Glasfaseranschlüsse sind in einer digitalisierten Welt genauso wichtig wie Strom- oder Wasserleitung. Die Zahlen sind düster: Deutschland liegt beim Glasfaserausbau nach aktuellsten Zahlen in Europa auf dem fünftletzten Platz von 33 Staaten, weltweit unter allen Industrienationen sogar nur auf Platz 60.

In Ländern wie Lettland und Schweden hat bereits jeder zweite Haushalt Glasfaser. In China liegt die Abdeckung sogar bei rund zwei Dritteln. Zum Vergleich: In Deutschland können im Bundesdurchschnitt gerade mal zwei (!) von hundert Haushalten die Technologie nutzen, an der sich unsere Zukunft entscheidet.

Seit Jahren ist auch vom flächendeckenden Ausbau der schnellen mobilen Datennetze die Rede. Gelungen ist er bisher nicht. Wenn zuständige Bundesminister öffentlich die Meinung vertreten, man brauche den neuen superschnellen mobilen Datenstandard 5G nicht „an jeder Milchkanne“, fehlt offensichtlich bei den politisch Verantwortlichen jede Zukunftskompetenz. Wer, wie jetzt bei der Versteigerung der 5G-Lizenzen nur auf die Einnahmen für die Staatskasse schaut, hat nicht verstanden, dass es hier um eine lebensnotwendige Grundversorgung geht. Die Politik von heute muss sich fragen lassen, welche Verbindungen sie für die nächste Generation schafft.

Baut sie die technologischen Brücken von heute, die wir brauchen, um im Wettbewerb der Zukunft zu bestehen? Staaten, die in die Netze der Zukunft investieren, werden uns nicht nur im Technologieausbau überholen, sondern irgendwann auch wirtschaftlich.

Es ist eine zutiefst politische Entscheidung, in etwas zu investieren, das momentan kein Geld abwirft. Dafür braucht es Weitblick und eine visionäre Sicht über den nächsten Wahltermin hinaus.

Es ist höchste Zeit, zu handeln. Denn die Welt wartet nicht auf uns.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.


Weitere Außenansichten finden Sie hier

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht