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Dramatischer Lehrermangel

Es ist höchste Zeit, Lehrkräfte an Grundschulen genau so zu bezahlen wie ihre Kolleginnen und Kollegen an den Gymnasien.
Von Frauke Gützkow, Bildungsexpertin

Regensburg.In Deutschland herrscht Lehrkräftemangel, an Grundschulen: dramatischer Lehrkräftemangel. Trotz des Einsatzes von Quer- und Seiteneinsteigern, also Menschen ohne grundständige pädagogische Ausbildung, können an Grundschulen bundesweit tausende Stellen nicht besetzt werden. Das ist unverantwortlich den Kindern gegenüber. In der Grundschule sollen die Mädchen und Jungen für das Lernen begeistert werden, hier werden entscheidend die Weichen für den persönlichen und beruflichen Lebensweg gestellt. Hier sollen Benachteiligungen ausgeglichen werden, die die Kinder aus dem Elternhaus mitbringen.

Wie konnte es zu dem Lehrkräftemangel kommen? Die Länder und die Kultusministerkonferenz haben viel zu lange mit veralteten, unzureichenden Daten gearbeitet. Die Folge: Es sind zu wenige Lehrkräfte ausgebildet worden. Dazu kommt eine massive Fehlsteuerung: Lehrkräfte für Gymnasien sind nämlich viel zu viele ausgebildet worden mit dem Effekt, dass es in manchen Ländern bis heute arbeitslose Gymnasiallehrkräfte gibt. Den jungen Menschen kann man nicht vorwerfen, dass sie am Gymnasium unterrichten wollen: Hier verdienen sie deutlich besser als an der Grundschule. Es ist also höchste Zeit, die Lehrkräfte an Grundschulen genau so zu bezahlen wie ihre Kolleginnen und Kollegen an den Gymnasien. Dann werden sich – bei gleichzeitigem Ausbau der Studien- und Referendariatsplätze - auch mehr junge Menschen für ein Grundschulstudium entscheiden.

Und noch etwas muss passieren: Absurderweise gibt es bis heute an vielen Hochschulen einen Numerus clausus für das Lehramt an Grundschulen. Dieser muss fallen. Sofort! Länder wie Berlin, Brandenburg und Sachsen haben die Zeichen der Zeit erkannt und bezahlen ihre Grundschullehrkräfte bereits nach A13 (Beamte) und E13 (Angestellte). Aber insbesondere die fünf großen Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen und NRW kommen nicht in die Puschen. Dabei gibt es keine Argumente mehr für die schlechtere Bezahlung: Der Studiengang für das Lehramt an Grundschulen ist (in fast allen Ländern) genau so lang wie der für andere Schulformen, die Ausbildung findet an Universitäten statt. Und: Gleichwertige Arbeit an den Schulen muss gleich bezahlt werden. Das ist auch eine Frage der Gerechtigkeit.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung der Autorin wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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