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Eckpfeiler der Energiewende

Die geplante Neufassung des Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetzes bleibt weit hinter den Erfordernissen zurück.
Von Dr. Werner Neumann

Dr. Werner Neumann ist Energieexperte des BUND.
Dr. Werner Neumann ist Energieexperte des BUND.

Das Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) ist besonders energieeffizient: Es erlaubt, aus einem einzigen Verbrennungsprozess doppelten Nutzen zu ziehen, indem gleichzeitig Strom und Wärme produziert werden. Dadurch hat KWK einen entscheidenden Vorteil gegenüber konventionellen Kraftwerken. Hier geht derzeit immer noch mindestens 60 Prozent der Primärenergie als ungenutzte Abwärme verloren. KWK kann in vielen Größenklassen und mit verschiedenen Brennstoffen betrieben werden. Zusammen mit Wind- und Sonnenenergie lässt sich mit KWK-Anlagen dank ihrer Flexibilität und Umweltfreundlichkeit die Versorgungssicherheit und Netzstabilität für unser zukünftiges Stromsystem gewährleisten.

Der Entwurf zur Neufassung des Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetzes (KWK-Gesetz), den das Wirtschaftsministerium vorlegte, deckt jedoch die Erfordernisse der Energiewende nicht ab. Im Gegenteil: Das Gesetz greift zu kurz und schraubt das Ausbauziel der umweltfreundlichen Strom- und Wärmeerzeugung herunter. Das große Potential, das KWK für den Klimaschutz bereithält, wird dadurch verschenkt.

Vor allem kleinere dezentrale KWK-Anlagen werden doppelt bestraft. Die Eigenstromnutzung aus KWK – wie sie etwa in Krankenhäusern oder Gewerbebetrieben vorzufinden ist – soll zukünftig nicht mehr gefördert und stattdessen durch die EEG-Umlage belastet werden. Was in der Neufassung als KWK-Förderung verkauft wird, ist letztlich eine Behinderung des KWK-Ausbaus. Dabei leisten gerade kleinere KWK-Anlagen einen wichtigen Beitrag, um soziale Einrichtungen, Produktionsstätten sowie Wohnhäuser und- quartiere sicher, effizient und ortsnah mit Strom, Wärme und Kälte zu versorgen.

Mit Nah- und Fernwärme aus KWK-Anlagen wären insbesondere Großstädte und Ballungsräume effizient und klimafreundlich mit Warmwasser und Heizwärme versorgt. Die KWK-Novelle muss daher dringend mit entsprechenden Änderungen in Bau- und Planungsgesetzen nachgebessert werden sowie mit umfassenden Fortbildungen für Planer und Architekten einhergehen. KWK kann zur regionalen Energiesicherheit sehr viel beitragen und ist deutlich kostengünstiger als Maßnahmen wie etwa der überregionale Netzausbau.

Die geplante Erhöhung der Förderung im Entwurf des neuen KWK-Gesetzes ist zu begrüßen. Bedenkt man jedoch die komplexeren Anforderungen durch die Novellierung, ist kaum davon auszugehen, dass diese ausgeschöpft wird. Der Ausbau von KWK-Anlagen wird damit weder zur flexiblen Netzeinspeisung noch zur dezentralen Standortversorgung wesentlich vorangetrieben.

Wird die derzeit in KWK-Anlagen teilweise noch eingesetzte Kohle durch Gas oder mit erneuerbarem Strom produziertes Windgas ersetzt, können KWK-Anlagen künftig einen noch größeren Beitrag zum Klimaschutz leisten als sie es bereits heute schon tun.

Der BUND fordert daher, das Ziel von 25 Prozent KWK an der Gesamt-Stromerzeugung beizubehalten. Um die gesunkenen Börsenstrompreise zu kompensieren, muss das Wirtschaftsministerium den KWK-Zuschlag für Anlagen außerdem deutlich, sprich um drei bis vier Cent pro Kilowattstunde, anheben und die Gesamtförderung auf drei Milliarden Euro steigern.

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