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Außenansicht

Ein Ministerium für Tourismus

Der gesellschaftliche Wert der Reisebranche geht weit über ihre Bedeutung als Wirtschaftsfaktor hinaus.
Von Jochen Szech, Reiseunternehmer und Präsident des Bundesverbandes „Allianz selbstständiger Reiseunternehmen asr e.V.“

Regensburg.Investitionen in den Tourismus statt in den Verteidigungshaushalt bekämpfen den Klimawandel, reduzieren Fluchtursachen und verbessern die Handelsbilanz. Die neue Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer fordert die Erhöhung des Wehretats von heute 43 Milliarden Euro auf 60 Milliarden bis 2023. Die deutsche Tourismusbranche mit ihren drei Millionen Beschäftigten und einer Bruttowertschöpfung von über 100 Milliarden. Euro wird dagegen mit weniger als einer Milliarde Euro abgespeist.

Dabei geht der gesellschaftliche Wert der Reisebranche auch in den Augen der Bundesregierung über ihre Bedeutung als Wirtschaftsfaktor hinaus: In der „Nationalen Tourismusstrategie“ heißt es, Tourismus sei ein Instrument des kulturellen Austauschs, der Völkerverständigung und der Friedenssicherung. Eine Verlagerung der Gelder von der Verteidigung zum Tourismus ist daher geboten. Deutschland braucht dafür ein Tourismusministerium, denn die Dringlichkeit steigt: Die Arbeitsschwerpunkte des neuen Ministeriums müssen vor allem in der Forschung liegen: Der Tourismus wird von der Politik nur mit 0,1 Prozent aller Forschungsmittel bedacht. Dabei gibt gerade die Klimadebatte Anlass, massiv in die Wissenschaft zu investieren. Fliegen an sich ist nicht schädlich: Es hat unseren gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Radius erweitert, es macht die Welt den Menschen zugänglich und fördert über die Begegnungen mit anderen Kulturen unsere Weltoffenheit. Schädlich ist nur das Kerosin.

In die Forschung zu alternativen Treibstoffen und Antriebsarten wird aber bisher nicht investiert. Warum fördert der Staat Elektromobilität beim Auto, aber nicht beim Fliegen oder bei Kreuzfahrtschiffen? Das Tourismusministerium sollte zudem durch Entwicklungshilfe gezielt den Tourismus in Schwellenländern fördern, den Menschen dort Arbeitsplätze und eine Lebensperspektive bieten, um so zur politischen Stabilität beitragen und Migration reduzieren. Im Auslandstourismus sind es vor allem die mittelständischen Unternehmen, die mit innovativen Konzepten nachhaltigen Urlaub entwickeln, Arbeitsplätze im ländlichen Raum schaffen und zum Abbau des Ungleichgewichts in der deutschen Handelsbilanz beitragen. Doch Auslands-Tourismus steht nach wie vor nicht auf der Agenda der Bundesregierung.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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