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Ein Mogellabel für Schweine

Die Tiere leiden trotz Label der Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner weiter. Keine Sau möchte so leben.
Martin Rittershofen, Tierschützer

Martin Rittershofen, Tierschützer
Martin Rittershofen, Tierschützer

Verstümmelte Ringelschwänze, ein Leben im eigenen Dreck, keinen Auslauf, kein Tageslicht, Lärm und Stress. Keine Sau möchte so leben – und doch müssen es Millionen. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner behauptet, an den dramatischen Bedingungen in der Intensivtierhaltung etwas ändern, sie sogar verbessern zu wollen. Ihre Strategie: ein freiwilliges Tierwohlkennzeichen. Es soll Produkte von landwirtschaftlichen Betrieben auszeichnen, die ihren Schweinen ein besseres Leben ermöglichen und im Supermarkt helfen, Fleisch aus besserer Haltung zu erkennen. Klingt gut, ist es nur nicht.

Verbraucher wünschen sich mehr Transparenz und mehr Tierwohl, Landwirte mehr Wertschätzung. Ein freiwilliges Label wird das nicht leisten können. Für die große leidende Mehrheit der Schweine wird sich nichts ändern. Tierwohl sollte nicht freiwillig, sondern verpflichtend sein. Nur wenn es staatlich verpflichtende Vorgaben gibt, die für alle Tierhalter gelten, kann es flächendeckende Verbesserungen geben. Verbraucherschützer, Tierschutzverbände, Grüne, SPD, CSU, eine Vielzahl der Bundesländer sowie der Bayerische und auch der Deutsche Bauernverband fordern ein national verpflichtendes Kennzeichen. Aber Ministerin Klöckner sträubt sich stur.

Tiere leiden trotz Label weiter

Doch nicht nur die Freiwilligkeit des Labels ist ein Problem, sondern auch die Kriterien. Denn selbst Schweinebauern, die sich mit dem Tierwohlkennzeichen schmücken wollen, werden kaum für mehr Tierwohl im Stall sorgen. Der Grund: Die Eingangsstufe des Labels unterscheidet sich nur minimal vom gesetzlichen Mindeststandard. Selbst illegale Praktiken, wie das Abschneiden der Ringelschwänze werden toleriert. Die Tiere werden weiter auf Betonboden ohne Einstreu gehalten, was unter anderem zu schmerzhaften Entzündungen führt. Sauen werden weiter wochenlang in winzigen Käfigen fixiert, während sie ihre Ferkel gebären und säugen müssen.

Fakt ist, in Ställen, die mit Julia Klöckners Tierwohlkennzeichen ausgezeichnet sind, werden Tiere weiter leiden. Kein Schwein wird wirklich profitieren, stattdessen wird Fleisch aus qualvoller Intensivtierhaltung nun auch noch prämiert. Der Plan der Landwirtschaftsministerin ist deshalb blanke Verbrauchertäuschung. Denn wo später Tierwohl draufsteht, muss es auch vorher Tierwohl gegeben haben.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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