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Eine App für Stalking-Opfer

Schätzungen zufolge leiden in Deutschland jährlich 200 000 bis 600 000 Menschen unter Stalking. Eine App soll helfen.
Brigitta Brüning-Bibo

Brigitta Brüning-Bibo ist Stiftungsmanagerin bei der „Weiße-Ring-Stiftung“.
Brigitta Brüning-Bibo ist Stiftungsmanagerin bei der „Weiße-Ring-Stiftung“.

Wem es passiert, der fühlt sich verfolgt, belästigt, bedroht und das über einen langen Zeitraum. Die Rede ist von Nachstellungen bzw. Stalking. Häufig werden ehemalige Lebens- oder Ehepartner zu Stalkern, in 75 Prozent der Fälle kennen sich die Betroffenen. Im Jahr 2018 wurden vom Bundeskriminalamt 19 000 Fälle von Stalking polizeilich erfasst. Die Dunkelziffer ist laut Experten erheblich höher. Schätzungen gehen davon aus, dass in Deutschland jährlich 200 000 bis 600 000 Menschen unter Stalking leiden.

Warum wird nur ein Bruchteil der Stalker angezeigt? Das kann verschiedene Gründe haben: Angst, Scham, Verdrängung, das Opfer sucht die Schuld bei sich. Manche wissen nicht, dass das, was gerade mit ihnen passiert, bereits Stalking ist und auch nicht, dass Stalking eine Straftat darstellt. Betroffene entschuldigen das Verhalten lange, besonders wenn vorher eine Beziehung bestand. Dabei können die Nachstellungen zu erheblichen psychischen und körperlichen Folgen führen, bis hin zum Suizidgedanken. Um etwas gegen das Stalking zu unternehmen, brauchen die Betroffenen handfeste Beweise. Voraussetzung für eine erfolgreiche Anzeige ist eine lückenlose Dokumentation der Stalking-Vorfälle. Mit der von der „Weißen-Ring-Stiftung“ entwickelten kostenlosen App „No Stalk“ können Opfer Fotos, Videos und Sprachmemos aufnehmen, oder auch WhatsApp oder SMS-Nachrichten in die App laden. Durch die direkte und unmittelbare Dokumentation wird eine authentische Beweissammlung ermöglicht. Die Dateien werden sofort verschlüsselt und auf einen sicheren Server übertragen. Dort verbleiben diese geschützt vor unbefugtem Zugriff, bis die sich Betroffenen dazu entschließen, rechtliche Schritte einzuleiten.

Weitere Module der App: Der Hilfe-Button ermöglicht es den Betroffenen, den Polizei-Notruf, das Opfertelefon des „Weißen Rings“ zu kontaktieren oder eine Info-SMS an eine hinterlegte Telefonnummer zu schicken. Es bietet Betroffenen die Möglichkeit, sich aktiv gegen das Stalking zu wehren und so aus ihrer Passivrolle herauskommen. Erst seit 2007 ist Stalking ein eigener Straftatbestand. Vor zwei Jahren wurde das Recht angepasst, so dass es heute ausreicht, wenn das Opfer nachweisen kann, dass die Taten geeignet sind, das Leben zu beeinträchtigen – und hier setzt die erwähnte App an.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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