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Denkmalpflege

Eine Pflichtaufgabe der Umweltpolitik

Denkmalpflege erhält nicht nur historische Bauten, sondern trägt zum nachhaltigen Umwelt- und Naturschutz bei.
Dr. Ursula Schirmer

Die Autorin Dr. Ursula Schirmer ist Leiterin der Abteilung Bewusstseinsbildung und Pressesprecherin der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.
Die Autorin Dr. Ursula Schirmer ist Leiterin der Abteilung Bewusstseinsbildung und Pressesprecherin der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Bonn.Denkmalpflege wird als kulturelle Aufgabe gesehen. Doch Denkmalpflege ist mehr als das Blattgold an der Fassade. Unzweifelhaft geht es bei der Bewahrung von Denkmälern um Kultur, die Erhaltung von Identität und Heimat. Doch Denkmalpflege ist ebenso ein wichtiger Beitrag zum nachhaltigen Umwelt- und Naturschutz.

Historische Bauten zeichnen sich durch die Berücksichtigung regionaler Klimabedingungen und die Nutzung örtlicher und natürlicher Materialien aus. Die Behauptung, dass Denkmalschutz teurer als Abriss und Neubau sei, wird ungeprüft wieder und wieder nachgeplappert. Unberücksichtigt bleiben bei der Kosten- und Energieberechnung allerdings die Lebensdauer und die sogenannte „graue Energie“, mit der die Energiekosten bei Herstellung, Transport und Entsorgung moderner Baumaterialien bezeichnet werden. Dadurch wird die positive Gesamtbilanz historischer Bauten auf einen Schlag unerreichbar. Damit zählt Denkmalpflege nicht „nur“ als Kulturthema, sondern zu den Pflichtaufgaben vernünftiger Umweltpolitik. Gute Denkmalpflege an einzelnen Bauten oder Ensembles wirkt im Umgang mit der originalen Substanz erhaltend und bewahrend. Die etwa von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz geförderten Maßnahmen stehen für einen solchen substanzschonenden und behutsamen Umgang.

Quasi im Nebeneffekt ist Denkmalschutz damit immer auch Umweltschutz. Es wird erhalten und repariert statt weggeworfen. Es kommen regionale und oft nachwachsende Materialien zum Einsatz statt der modernen, von weit her kommenden Baustoffe heute. Denkmalschutz ist ressourcenschonend, von der Fläche über die Materialien bis zum Energieverbrauch.

Da rund die Hälfte aller Abfälle in Deutschland Bauschutt ist, erklärt sich die Freude vieler Umweltschützer an jedem erhaltenen und zukunftsfähig gemachten Bau: Denkmalschutz ist eben auch Abfallvermeidung. Neue oder erweiterte Nutzungsideen, ob für denkmalgeschützte Industriebauten oder ungenutzte Scheunen und Hofanlagen auf dem Lande, erhöhen die Chancen zum Erhalt historischer Bausubstanz. Mit neuen Konzepten lassen sich Ortskerne erhalten und neu zu erschließende Baugebiete vermeiden. Denkmalpflege ist eben mehr als Fassadenverschönerung.

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