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Faire Löhne für Textilarbeiter

Das Textilbündnis stellt Anforderungen betreffs der Sorgfaltspflicht. Doch es muss auch starke Initiativen geben.
Berndt Hinzmann, Referent

Berndt Hinzmann leitet die Kampagne für Saubere Kleidung bei der entwicklungspolitischen Organisation INKOTA-netzwerk.
Berndt Hinzmann leitet die Kampagne für Saubere Kleidung bei der entwicklungspolitischen Organisation INKOTA-netzwerk.

Im Textilbündnis werden erstmals konkrete Anforderungen betreffs der menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht für Unternehmen, basierend auf den Richtlinien der OECD und orientiert an den Normen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) sowie den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte erarbeitet, gestellt. 2018 mussten zum ersten Mal alle Mitglieder – darunter 81 Unternehmen der Textil- und Modebranche – in individuellen Maßnahmenplänen ihre konkreten Ziele für die Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards in ihren Lieferketten offenlegen. Aber hat deshalb eine Beschäftigte in der Lieferkette der Mitgliedsunternehmen bisher einen existenzsichernden Lohn bekommen oder können Gewerkschaften besser die Interessen der Arbeiterinnen und Arbeiter vertreten? Nein! Der gegenwärtige Stand der Dinge ist nicht zufriedenstellend.

Doch strukturell geht das Textilbündnis ein Kernthema an: Die viel zu niedrigen Löhne in den Zulieferbetrieben der Textil- und Modeindustrie. Der Steuerungskreis, das paritätisch gewählte Multi-Stakeholder-Gremium, legte deshalb richtigerweise den Schwerpunkt für 2018/19 auf die Themen existenzsichernde Löhne, Einkaufspraktiken, Lieferkettentransparenz sowie Wirkungsmessung. Die eigenen Einkaufspraktiken und deren Auswirkungen auf die Zahlung der Löhne müssen analysiert und in Folge verändert werden. Es geht um die Veränderung politischer Rahmenbedingungen, um Gewerkschaftsfreiheit und Tarifverhandlungen für bessere Löhne zu etablieren. Konkrete Maßnahmen oder Erfolge hat es bisher nicht gegeben und die Beteiligung von Unternehmen an der Bündnisinitiative ist auch noch zu gering, um eine kritische Masse innerhalb der Lieferkette zu bilden.

Die Mode-Industrie wollte dazu beitragen, dass 75 Prozent des Marktanteils in Deutschland im Bündnis mitmachen. Das Jahr 2019 wird erkennen lassen, wie konsequent Unternehmen das verbindliche Bündnisziel verfolgen. Arbeiter und Gewerkschaften müssten die konkrete Möglichkeit haben, Beschwerden zu führen und es müsste Mechanismen geben, wie die Missstände beendet werden. Trotz des Bündnisses bedarf es zum Schutz der Menschenrechte gesetzliche Maßnahmen der Bundesregierung, um eine breite und schnellere Wirkung zu erzielen. Menschenrechte können nicht alleinig dem Aushandlungsprozess gesellschaftlicher Anspruchsgruppen überlassen bleiben. Angesichts der strukturellen Probleme muss es zu einer grundlegenden Umkehr kommen – einem Wechsel des Paradigmas – zur Einklagbarkeit der Einhaltung der Menschenrechte bei der Arbeit. Neben Gesetzen wäre es dennoch notwendig, dass es starke Initiativen gibt, die auf umfassende und wirkungsvolle Umsetzung drängen und darüber der Öffentlichkeit transparent und glaubwürdig berichten.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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