MyMz

Außenansicht

Forschen ohne Tierversuche

Bei den Tierexperimentatoren und denen, die an den Versuchen verdienen, ist die Zeit im Jahr 1959 stehengeblieben.
Margrit Vollertsen-Diewerge, Tierschützerin

Für den Rechner, der in den 1970er Jahren gebaut wurde, musste der Fußboden verstärkt werden, denn der Schrank wog fünf Tonnen auf zwei Quadratmetern. Heutige Memory Sticks haben das achtfache Fassungsvermögen – und passen ins Handy. Noch nie gab es auf allen Gebieten mehr Neuerungen als in den letzten 20 Jahren. Doch bei den Tierexperimentatoren und denen, die an den Versuchen verdienen, ist die Zeit im Jahr 1959 stehengeblieben. Denn damals lösten die drei r’s (reduce-refine-replace) die Vivisektion ab und gelten noch heute als allein gültiger Maßstab. Für Tierversuche fließen Gelder in Milliardenhöhe.

Prof. Dr. Gilbert Schönfelder vom Bundesinstitut für Risikobewertung sagte in seinem Interview mit der „Deutschen Welle“ 2016: „Wenn die Kommissionen entschieden haben, dass der Tierversuch durchgeführt werden darf, und es keine Alternativen dazu gibt, dann ist er per Gesetz genehmigt. Gerechtfertigt ist, was das Gesetz zulässt.“ Wir sagen STOPP! Statt Gelder für Tierversuche auszugeben, sollte endlich umgedacht werden. Es gibt unzählige tierversuchsfreie Methoden, die es früher nicht gegeben hat. Sie sind schneller, sicherer, wiederholbar, billiger und ethisch vertretbar. Doch ein Paradigmenwechsel erfolgt nicht.

Die Paracelsus Medizinische Privatuniversität Nürnberg (PMU) mit Sitz in Salzburg hat einen Antrag auf Tierversuche bei der Regierung Unterfranken eingereicht. Sie ist dem Nordklinikum angeschlossen und hat für eine halbe Million Euro ein Labor eingerichtet. Wer investiert eine so hohe Summe, wenn er nicht seiner Sache sicher ist? Der Oberbürgermeister von Nürnberg, Dr. Ulrich Maly, schrieb zum Thema „Tierversuche am Klinikum Nord“ an die ÄgT-Arbeitsgruppe Erlangen: „Im Verwaltungsrat des Klinikums haben wir das Vorhaben ausführlich besprochen. Dabei habe ich mich für die Durchführung ausgesprochen...“

Die „Stadt der Menschenrechte“ wird die neue Technische Universität bekommen. Unsere Arbeitsgruppe hat bei Ministerpräsident Dr. Markus Söder nachgefragt, ob bei einem der sechs innovativen Fächer ein „Lehrstuhl für tierversuchsfreie Forschung“ eingerichtet werden kann nach dem Vorbild des Forschungsneubaus in Berlin, bei dem das Ziel ist, „Tierversuche durch humane Modellsysteme zu ersetzen“. Wir sind gespannt auf die Antwort.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung der Autorin wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht