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Wirtschaft

Für mehr Transparenz bei Konzernen

Große Unternehmen sollten offen legen müssen, wie sie ihre steuer-, umwelt- und sozialpolitische Verantwortung wahrnehmen.
Von Klaus Stähle, Wirtschaftsexperte

Der Autor ist Rechtsanwalt, Mitglied im Vorstand von UnternehmensGrün, dem Bundesverband der grünen Wirtschaft. Foto: Klaus Stähle
Der Autor ist Rechtsanwalt, Mitglied im Vorstand von UnternehmensGrün, dem Bundesverband der grünen Wirtschaft. Foto: Klaus Stähle

Regensburg.Neue Konzentrationsprozesse in der Wirtschaft erfordern eine aktivere Wirtschafts- und Wettbewerbspolitik. Wenn das Smartphone bei Produktionskosten von 300 Euro für 1000 Euro über die Ladentheke geht, freut dies natürlich die Aktionäre der erfolgreichen Firma. Solange der Kunde die Wahl hat, ist alles gut. Selbst wenn 80 Prozent der Internetsuchanfragen in der westlichen Hemisphäre über denselben Anbieter laufen, ist auch dies nicht weiter schlimm, solange es Alternativen gibt. Wenn aber Marktmacht dazu genutzt wird, innovative Unternehmen zur Verhinderung von Konkurrenz strategisch aufzukaufen, statt selbst Innovationen voranzubringen, wenn lokale Steuerbedingungen umgangen werden, wenn Standortentscheidungen danach getroffen werden, wo Umweltschutz und soziale Sicherung keine Rolle spielen – dann ist das nicht mehr egal.

Unternehmen, die ihr unternehmerisches Handeln in gesellschaftlicher Verantwortung wahrnehmen und Verantwortung für den Erhalt einer lebenswerten Umwelt übernehmen, wollen eine starke Ordnungspolitik. Zum Ordnungsrahmen gehört ein fairer Wettbewerb durch ein starkes Kartellrecht. Die Wettbewerbsbehörden sind gefragt, wenn Macht und Größe von Unternehmen Steuerbehörden kapitulieren lassen, wenn umweltbelastende Produktions- und Entsorgungsprozesse strategisch in Länder mit der schwächsten Umweltgesetzgebung verlagert und fundamentale Arbeitnehmerrechte nicht beachtet werden.

Alle großen Unternehmen sollten daher weltweit einer staatlich sanktionierten Berichtspflicht unterliegen, die nicht nur den Kernbereich ihres unter-nehmerischen Handelns, sondern auch ihre steuer-, umwelt- und sozialpolitische Verantwortung transparent und überprüfbar beschreibt –und zwar mit Zahlen und Fakten. Damit können Unternehmen überprüfen, mit wem sie in Vertrags- und Lieferbeziehungen stehen und ob der Vertragspartner den eigenen Maßstäben gerecht wird. Eine erzwungene Transparenz könnte ein erster Schritt hin zu einer neuen, den Interdependenzen der Welt angemessenen, globalen Wirtschaftsordnung sein. Eine aktive Wirtschaftspolitik sollte für mehr Transparenz sorgen und für mehr Wettbewerb, um die besten Lösungen für Umweltschutz, Ökologie, Steuergerechtigkeit und soziale Verantwortung zu finden.

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