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Ganzheitliches Konzept nötig

Der Bau des SüdOstLinks stößt auf Widerstand. Wer meint, eine Verlegung der Kabel in der Erde sei nicht so schlimm, der irrt.
Christoph Bauer, Forstwissenschaftler

Christoph Bauer ist Bezirksgeschäftsführer Oberpfalz des Landesbundes für Vogelschutz in Bayern e.V.
Christoph Bauer ist Bezirksgeschäftsführer Oberpfalz des Landesbundes für Vogelschutz in Bayern e.V.

Nun herrscht Klarheit: Das Himmeltal bei Brennberg soll für den Bau des SüdOstLinks umgepflügt werden. Ende vergangener Woche hat die Bundesnetzagentur den verbindlichen Trassenkorridor für die Gleichstromleitung von Schwandorf bis Landshut festgelegt. Der Widerstand gegen die Planung ist in der Region massiv und wird mit Sicherheit weiter zunehmen. Doch ist der Bau der Gleichstromtrassen wirklich ein notwendiger Beitrag zur Energiewende?

Dazu muss man wissen, dass der Netzausbau bereits vor dem Atomausstieg und dem Beschluss zur Energiewende auf den Weg gebracht wurde. Die Mär vom Windstrom aus dem Norden wird von renommierten Ökonomen wie Prof. Claudia Kemfert widerlegt. Eine jüngst veröffentlichte Studie belegt, dass der Netzausbau in der geplanten Form gar nicht notwendig ist und letztlich nur dem Stromexport dient. Es wundert auch nicht, dass der SüdOstLink seinen Startpunkt nahe des mitteldeutschen Braunkohlerevieres hat. Dabei sind es konventionelle Kraftwerke, die die Leitungskapazitäten für die „Erneuerbaren“ verstopfen.

Wer nun meint, eine Verlegung der Kabel in der Erde sei ja gar nicht so schlimm, der täuscht sich: in geschlossene Wälder werden bis zu 45 Meter breite Schneisen geschlagen, europäische Naturschutzgebiete durchquert, gewachsene Böden massiv verdichtet und Wasserströme angeschnitten. Durch die Erwärmung um bis zu 3 Grad an der Erdoberfläche wird sich die Bodenfauna deutlich verändern. Insgesamt 2.400 Hektar Land werden in Anspruch genommen. Wie soll das in einem Mittelgebirgsraum mit hoch anstehendem Urgestein ohne Landschaftsveränderung funktionieren?

Hier bleiben viele Fragen ungeklärt. Man wird es wohl erst wissen, wenn die Leitungen irgendwann gebaut sind. Außerdem ersetzt der Bau der Stromtrassen keinen einzigen Speicher. Doch gerade Speicher sind es, die es für die „Erneuerbaren“ braucht. Die Nutzung der Solarenergie bietet riesige bisher ungenutzte Potenziale. Die Obergrenze für die Einspeisung von Solarstrom muss fallen. Ebenso sollten die starren Abstandsregeln für die Windkraft zu Gunsten einer regional koordinierten Planung überdacht werden. Es braucht ein ganzheitliches Energiewendekonzept – der Bau der Stromtrassen leistet dazu keinen Beitrag.

Der Autor ist Bezirksgeschäftsführer Oberpfalz des Landesbundes für Vogelschutz in Bayern e.V.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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