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Außenansicht

Gerechtigkeit ist reine Liebe

Der Karfreitag beinhaltet eine wichtige Botschaft: Christus ist für die Sünden der Menschen gestorben.
Von Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss

Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss
Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss

Regensburg.„Ich kann den Gott, der die Sünder straft, nicht lieben, ich hasse ihn und seine Gerechtigkeit.“ So hatte sich einst Martin Luther geäußert. Dabei dachte er zurück an seine Anfangszeiten im Kloster und an der Universität. Von einem gnädigen Gott konnte er zu diesem Zeitpunkt in seinem Leben noch nichts spüren.

Mir kommt diese Aussage sehr modern vor. Menschen von heute sagen gelegentlich sehr deutlich, dass sie mit einem gnädigen Gott und seiner Gerechtigkeit nichts mehr anfangen können. Viele lehnen es ab, den Menschen als „Sünder“ zu sehen. Die Botschaft von Karfreitag, dass Christus für die Sünden der Menschen gestorben ist, wirkt auf sie wie eine Torheit.

Sie können nichts mehr mit dem Gedanken Martin Luthers anfangen, dass wir Menschen auf die Gnade Gottes angewiesen sind und die Rechtfertigung vor Gott dringend nötig haben.

Mir ist es wichtig, dennoch an dieser heute sperrig gewordenen Überzeugung festzuhalten: Der Mensch ist tatsächlich ein Sünder. Ein Geschöpf, das in Entfremdung von Gott lebt und deshalb der gnädigen Annahme von Gottes Seite her bedarf. Das halte ich für eine realistische Einschätzung unseres Menschseins.

„Um Jesu willen gelten wir vor Gott als gerechtfertigte Menschen, die von ihm freundlich und gnädig angesehen werden.“

Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss

Das Neue Testament bezeichnet Gott ausdrücklich als Liebe. Es verbindet diese Liebe mit der Botschaft vom Kreuz, das Jesus getragen hat und an das er geschlagen wurde. Schon der Apostel Paulus wusste, dass dieses Wort für andere oft nur Torheit sein kann. Für Christen ist der Gekreuzigte laut Paulus „Gottes Kraft und Gottes Weisheit“. Sein Opfertod war nichts anders als die Hingabe Gottes selbst – für die Menschen. Weil er dieses schlimme Schicksal auf sich genommen hat, hat er die Welt mit sich versöhnt. Am Kreuz hat er gezeigt, dass Schuld und Leid nichts sind, was von ihm trennen kann. Um Jesu willen gelten wir vor Gott als gerechtfertigte Menschen, die von ihm freundlich und gnädig angesehen werden.

Wer Gott so verstehen kann, wird ihn nicht mehr hassen, sondern lieben. Er wird immer wieder dazu kommen, seine Gerechtigkeit stets von neuem zu verstehen – als reine Liebe. Er wird dankbar Karfreitag feiern – in dem frohen Bewusstsein: Jesus Christus „ist um unsrer Sünden willen dahingegeben und um unsrer Rechtfertigung willen auferweckt“ (Römer 4,25).

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