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Gesünder leben: Klöckner verteilt Zucker

Hersteller sollen Lebensmittel freiwillig gesünder machen. Diese Strategie wird scheitern. Andere Länder wären ein Vorbild.
Sarah Häuser, Lebensmittelexpertin

Sarah Häuser, Lebensmittelexpertin, ist Pressesprecherin bei foodwatch e.V.
Sarah Häuser, Lebensmittelexpertin, ist Pressesprecherin bei foodwatch e.V.

In diesem Jahr startet die „Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten“ von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner. Kurz vor Weihnachten wurde sie vom Bundeskabinett auf den Weg gebracht. Die Lebensmittelhersteller sollen auf freiwilliger Basis zum Beispiel ihre Kartoffelchips weniger salzig, ihre Müslis weniger süß und ihre Wurstwaren weniger fettig machen. Bis 2025 haben sie dafür Zeit. Erklärtes Ziel der Strategie ist es, „eine gesunde Lebensweise zu fördern“ und „den Anteil der Übergewichtigen und Adipösen in der Bevölkerung zu senken“. Ein hehres Ziel.

„Denn statt die Lebensmittelkonzerne für ihr krank machendes Angebot in die Pflicht zu nehmen, bittet Klöckner die Konzerne höflich (...).“

Schließlich ist in Deutschland fast jeder vierte Erwachsene fettleibig. Damit verbunden sind Krankheiten wie Typ-2 Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Der zu hohe Konsum von Zucker, insbesondere von gesüßten Getränken, spielt eine Schlüsselrolle. Doch wird Klöckners Strategie halten können, was sie verspricht? Leider nein. Denn statt die Lebensmittelkonzerne für ihr krank machendes Angebot in die Pflicht zu nehmen, bittet Klöckner die Konzerne höflich, doch freiwillig ein bisschen weniger Zucker in ihre Produkte zu tun. Obwohl jeder weiß, dass freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie zum Scheitern verurteilt sind – es geht schließlich um die Produkte, die sich am profitabelsten verkaufen lassen. Gerade ist eine ähnliche freiwillige Reduktionsstrategie in den Niederlanden gefloppt.

Ernährung

Limo und TK-Pizza in neuem „Gewand“

Ernährungsministerin Julia Klöckner sagt der Volkskrankheit Übergewicht den Kampf an – die Bürger sollen gesünder essen.

„Sie verteilt lieber Geschenke an die Lebensmittelindustrie, statt im Sinne der Verbraucher klare Kante zu zeigen.“

Andere Länder machen dagegen längst Ernst im Kampf gegen Fehlernährung und führen Ampelkennzeichnungen ein, beschränken die Werbung an Kinder oder besteuern überzuckerte Limonaden. In Großbritannien etwa gibt es seit 2018 eine Limo-Steuer. Die Steuer wirkt: Ein Großteil der Hersteller hat den Zuckergehalt in seinen Getränken deutlich reduziert. Eine Fanta ist nur noch halb so zuckrig wie in Deutschland. Und in Frankreich führt die Lebensmittelampel Nutri-Score erwiesenermaßen dazu, dass Verbraucherinnen und Verbraucher gesünder einkaufen. Das sind genau die Maßnahmen, die ein breites Bündnis aus mehr als 2000 Ärztinnen und Ärzten, Krankenkassen und medizinischen Fachorganisationen vergangenes Jahr in einem offenen Brief auch von der Bundesregierung gefordert hat. Doch Klöckner stellt sich taub. Sie verteilt lieber Geschenke an die Lebensmittelindustrie, statt im Sinne der Verbraucher klare Kante zu zeigen.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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