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Gleiche Bezahlung: Ein komplexes Problem

Um gleiche Bezahlung für Frauen zu schaffen, müssen Rollenbilder und gesellschaftliche Strukturen aufgebrochen werden.
Von Uta Zech, Präsidentin des BPW Germany e.V. zum Equal Pay Day 2019

Uta Zech ist Präsidentin des BPW Germany e.V. zum Equal Pay Day 2019.
Uta Zech ist Präsidentin des BPW Germany e.V. zum Equal Pay Day 2019.

Der Equal Pay Day (EPD) wurde in Deutschland 2008 zum ersten Mal vom Business and Professional Women (BPW) Germany e.V. initiiert. Inzwischen weisen bundesweit über 1000 Aktionen auf die Lohnlücke hin. Mit 21 Prozent liegt die deutsche Lohnlücke über dem europäischen Durchschnitt von 16,2 Prozent. Die Ursachen des Gender Pay Gap sind vielschichtig. Frauen fehlen in Führungspositionen, mindestens vier von fünf Teilzeitbeschäftigten sind weiblich und zwei Drittel der Beschäftigten in Minijobs sind Frauen. Unsere gesellschaftlichen Rahmenbedingungen weisen ihnen die Hauptzuständigkeit für Familienaufgaben wie Kinderbetreuung oder die Pflege von Angehörigen zu. Selbst in Paarhaushalten ohne Kinder verbringen Frauen doppelt so viel Zeit mit dem „bisschen Haushalt“ als ihre Partner.

Wer den Gender Pay Gap mit individuellen Entscheidungen erklärt, verkennt die Komplexität des Problems und wer es lösen kann. Um etwas zu ändern, müssen wir den Blick auf gesellschaftliche Strukturen und festsitzende Rollenbilder richten. Gleicher Lohn muss auch für unterschiedliche, aber gleichwertige Tätigkeiten gezahlt werden. Der „Comparable Worth“-Index (CW-Index) der Hans-Böckler Stiftung zeigt, dass Berufe, die traditionell überwiegend Frauen ausüben, auf dem Arbeitsmarkt abgewertet und schlechter bezahlt werden. Dazu zählen Erziehungs- und Pflegeberufe sowie haushaltsnahe Dienstleitungen. Der CW-Index bewertet Anforderungen und Belastungen von Tätigkeiten nach geschlechtsunabhängigen Kriterien. Übrigens sind danach auch einige „Männerberufe“ unterbezahlt.

Das diesjährige Motto des Equal Pay Day „WERTSACHE Arbeit“ fordert zur Diskussion um den Wert unserer Arbeit auf. Warum wertschätzen wir die Verantwortung für Geld und Sachwerte höher als die für die physische und psychische Gesundheit von Menschen? Warum ist nur Erwerbsarbeit Arbeit und nicht auch unbezahlte Sorgearbeit, warum nur Vollzeit ein vollwertiges Beschäftigungsverhältnis? Wenn wir Gleiches gleich bewerten und Frauen wie Männer fair entlohnen, kommen wir der Schließung der Lohnlücke Schritt für Schritt näher. Dieses Jahr arbeiten Frauen 77 Tage umsonst, während Männer bereits ab dem 1. Januar Lohn erhalten. Der EPD fällt auf den 18. März. Wenn er auf Silvester fällt, haben wir das Ziel erreicht.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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