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Häusliche Gewalt steigt

Seit Mitte März sollen die Menschen wegen Corona zuhause bleiben. Das kann für Frauen und Kinder fatale Auswirkungen haben.
Von Simone Seitz, Sozial-Expertin

Simone Seitz
Simone Seitz

Zuhause bleiben – in der jetzigen Situation das einzig Richtige. Doch was ist, wenn das eigene Zuhause zugleich der gefährlichste Ort ist?

Die aktuelle Krise und die starken Einschränkungen des öffentlichen Lebens können für Kinder und Frauen, die innerfamiliärer Gewalt ausgesetzt sind, fatale Auswirkungen haben.

Jede vierte Frau in Deutschland hat in Ihrem Leben häusliche Gewalt erfahren, eine Art von Gewalt, die für die betroffenen Frauen und Kinder extrem bedrohlich ist. Die Taten reichen von Drohungen, Schlägen, Tritten bis hin zu sexualisierter Gewalt. Eine Pekinger Frauenrechtsorganisation hat angegeben, dass in den Zeiten der verordneten Quarantäne die Zahl der Betroffenen häuslicher Gewalt dreimal so hoch war. Und auch wir in Deutschland müssen uns auf eine Zunahme häuslicher Gewalt einstellen, wie bereits auch Bundesfamilienministerin Giffey geäußert hat. Frauen können vom Täter nun komplett abgeschirmt werden, stehen rund um die Uhr unter Kontrolle und haben oft auch nicht mehr die Möglichkeit, heimlich zu telefonieren, sich Hilfe und Unterstützung zu holen.

Auch der Schutz misshandelter und sexuell missbrauchter Kinder, der Aufgabe der ganzen Gesellschaft ist, kann in dieser Zeit nicht ausreichend ausgeführt werden. In neun von zehn Fällen kommen die Täter sexuellen Missbrauchs aus dem nahen sozialen Umfeld des Kindes, in vielen Fällen lebt der Täter in der gleichen Familie. Wer hat diese Kinder noch im Blick? Wer hört diese Kinder noch? Ihre oftmals geschützten und sicheren Orte wie Schule, Kindertagesstätte, Sportvereine sind weggefallen, Jugendämter sagen Routinebesuche ab oder verschieben sie auf einen späteren Zeitpunkt. Die Kinder sind dem Täter ständig und völlig schutzlos ausgeliefert.

Nun gilt es, niedrigschwellige Hilfsangebote zu aktivieren und den Kindern und Müttern nahezubringen. Lehrer, Erzieher und Sozialpädagogen sollten Risikofamilien weiterhin im Blick haben und versuchen, den Kontakt zu den Kindern und Frauen via Medien aufrecht zu erhalten. Auch auf die solidarische Nachbarschaft ist zu hoffen. Helfen Sie nicht nur bei Einkäufen, sondern halten Sie trotz Corona Augen und Ohren offen und bieten Sie Hilfe an, wenn Sie Gewalt vermuten oder wenden Sie sich an Beratungsstellen.

Die Autorin Simone Seitz ist Sozialarbeiterin und Beraterin im Frauennotruf Regensburg e.V.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung der Autorin wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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