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Hausärzte sind nicht ersetzbar

Der „Physician Assistant“ soll den Hausärzte-Notstand verringern. Diese Idee birgt aber Risiken, sagt unser Experte.
Dr. Markus Beier, Arzt

Regensburg.In vielen Regionen Bayerns fehlen Hausärzte, Praxen stehen leer oder sind so überlaufen, dass sie keine neuen Patienten mehr aufnehmen können. Mit dem „Physician Assistant“ (PA) wollen Politiker jetzt Abhilfe schaffen. PA wird man durch ein dreijähriges Studium. Danach können PAs eigenständig Patienten behandeln und sollen so den Arzt entlasten. Das entspricht den Aufgaben eines Arztes in Weiterbildung, der aber sechs Jahre Studium und diverse Praktika absolviert hat. Facharzt für Allgemeinmedizin darf er sich erst nach fünf Jahren Praxiserfahrung in der Weiterbildung und einer Facharztprüfung nennen.

Als wäre die verkürzte Studienzeit nicht besorgniserregend genug, werben die ersten Hochschulen in Bayern damit, das PA-Studium „ohne vorherige Ausbildung im Gesundheitswesen“ antreten zu können. Halbfertige Möchtegern-Mediziner ohne Praxiserfahrung sind für die Versorgungsqualität fatal. Warum einen neuen Beruf schaffen, der weniger kann als der Arzt, durch einen akademischen Abschluss aber den Anschein erweckt, mehr zu können als ausgebildetes Fachpersonal? Viel naheliegender ist doch, die vorhandenen Berufe weiter zu stärken, so wie wir es bereits mit der VERAH (Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis) tun. Durch diese anerkannte Weiterbildung können Medizinische Fachangestellte (MFA) mehr Aufgaben übernehmen.

Fakt ist: Wir brauchen mehr Hausärzte. Fakt ist auch: Nur Hausärzte können Hausärzte ersetzen. Ein Grund, warum der Bayerische Hausärzteverband dafür kämpft, dass jede medizinische Fakultät im Freistaat einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin hat. Das Beispiel Technische Universität München (TUM), die seit zehn Jahren über einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin verfügt, zeigt: 16 Prozent der Medizinstudierenden an der TUM wollen später Allgemeinmediziner werden, die Allgemeinmedizin ist die beliebteste Fachrichtung an der TUM. Auch die Bereitschaft, sich auf dem Land niederzulassen, ist unter TUM-Studierenden mit fast 15 Prozent (bayernweit 11,5 Prozent) überdurchschnittlich groß – obwohl die TUM mitten in der Landeshauptstadt liegt. Der nächste Schritt ist naheliegend: Wir brauchen auch in Regensburg einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin – was wir nicht brauchen, ist ein PA in der hausärztlichen Versorgung.

Der Autor ist Facharzt für Allgemeinmedizin und Landesvorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbands.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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