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Gesundheit

Hört auf die Pflegenden!

Der Bedarf an Pflegekräften nimmt zu. Aber die Arbeitsbedingungen sind schlecht. Das kann sich unser Land nicht leisten.
Von Michael Wittmann, Geschäftsführer der Vereinigung der Pflegenden in Bayern (KöR)

Michael Wittmann, Geschäftsführer der Vereinigung der Pflegenden in Bayern (KöR) Foto: Wittmann
Michael Wittmann, Geschäftsführer der Vereinigung der Pflegenden in Bayern (KöR) Foto: Wittmann

Regensburg.München. 13.000 Planstellen mehr für die Langzeitpflege, Konzertierte Aktion Pflege, Stoppt den Pflegenotstand! Dies sind nur wenige Beispiele von medial sehr aufmerksam begleiteten Aktionen zur derzeit katastrophalen Situation rund um den Pflegepersonalmangel in Kliniken, Pflegeheimen und ambulanten Pflegediensten. Das Thema ist ganz offensichtlich in der Politik angekommen und auf Bundes- und Länderebene bringen unterschiedlichste Parteien einen bunten Strauß an Vorschlägen ein, wie diesem Notstand wirksam begegnet werden könnte. Erfolge wurden aber damit bisher keine erzielt.

Pflegebedürftige bei einer Lichttherapie: In vielen Kliniken herrscht Pflegenotstand.  Foto: Swen Pförtner/dpa
Pflegebedürftige bei einer Lichttherapie: In vielen Kliniken herrscht Pflegenotstand. Foto: Swen Pförtner/dpa

Eine aktuelle Befragung unter beruflich Pflegenden hat ergeben, dass sich das Klima in der Berufsgruppe weiter abkühlt. Die Unzufriedenheit der Pflegekräfte mit ihrer beruflichen Situation verschlechtert sich weiter. Grund dafür ist die Tatsache, dass alle Reden und Vorschläge noch zu keinen konkreten Verbesserungen auf den Stationen der Kliniken und Wohnbereichen der Pflegeheime geführt haben. Keine großartigen Verbesserungen beim Gehalt, noch immer zur Schicht einspringen obwohl ein freier Tag im Dienstplan steht und noch immer unzählige unbesetzte Planstellen in allen Bereichen. Zurecht fordern die Pflegekräfte rasche und funktionierende Verbesserungen ihrer Arbeitsbedingungen. Unser Land kann es sich nicht leisten, auch nur eine einzige Pflegekraft zu verlieren!

Notstand

Altenpflege: Hilfe aus Fernost

Im Rohrer Seniorenheim „importiert“ man Pflegekräfte direkt aus Vietnam. Die machen sich gut – wenn sie denn bleiben.

Alle Statistiken zeigen deutlich, wie stark der künftige Bedarf an professioneller Pflege zunehmen wird. Deshalb wären alle Akteure gut beraten, auf die weiteren berechtigten Forderungen der Pflegekräfte zu hören, die sie für eine Verbesserung ihrer Situation einbringen. Neben einem deutlichen Gehaltsplus sind dies vor allem mehr Planstellen, die sich nach einem wissenschaftlich entwickeltem Personalbemessungsinstrument errechnen müssen. Es ist die Forderung nach Freistellungen für Fort- und Weiterbildung. Es ist die Forderung nach Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten. Es ist die Forderung nach selbständiger Ausübung der Heilkunde für hochqualifizierte Pflegekräfte. Es ist die Forderung nach Verlässlichkeit für Pflegende in der Ausübung ihres Berufes. Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz ist hierbei nur ein großes Themenfeld. Und es ist die Forderung nach Vertrauen anstelle einer Misstrauenskultur, die Pflegende vor allem in der Langzeitpflege täglich durch Kontrollen erleben.

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