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Indien: Weg vom Gift auf dem Acker

In Indien lernen Bauern, wie sie ohne Gifte anbauen können. Davon könnten wir uns etwas abschauen, findet unsere Gastautorin.
Von Franziska Kohlhoff, Referentin

Franziska Kohlhoff  ist Referentin für Öffentlichkeitsarbeit bei ASW – Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt e. V.
Franziska Kohlhoff ist Referentin für Öffentlichkeitsarbeit bei ASW – Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt e. V.

Im November 2018 gingen im indischen Delhi 35 000 Bauern auf die Straße. Sie protestierten für eine gerechte Landwirtschaft mit höheren Preisen für ihre Erträge und einen Erlass ihrer Schulden. Denn die Situation indischer Kleinbauern hat sich in den letzten Jahrzehnten verschärft. Viele Produzenten verschuldeten sich für die Anschaffung von modernem, meist genmanipuliertem Saatgut aus dem Hause Monsanto und kauften die zugehörigen Herbizide gleich dazu. Über 300 000 indische Farmer begingen in den vergangenen 20 Jahren in ihrer hoffnungslosen Lage Selbstmord.

Den Großteil der weltweiten Landwirtschaft stellen kleinbäuerliche Höfe. Viele Landwirte setzten in den letzten Jahrzehnten auf einen hohen Pestizideinsatz zur Ertragssteigerung. Doch aufgrund des von ihm verursachten Verlustes an Biodiversität, Bodenfruchtbarkeit und Wasser ist dieses wenig traditionelle Modell keine Option für die Zukunft. Schon vor zehn Jahren ging der Weltagrarbericht damit an die Öffentlichkeit und empfahl dringend eine Abkehr von Monokulturen und eine Rückbesinnung auf naturschonende Anbaumethoden. Doch noch heute orientiert sich die Agrarpolitik in Europa und Ländern des globalen Südens weiterhin an den Interessen der Agrarmultis Bayer-Monsanto, wie unter anderem die Verlängerung der Glyphosat-Zulassung in der EU ziemlich unverhüllt zeigt.

Die Regierungen einiger indischer Bundesstaaten reagierten. Mit dem Centre for Sustainable Agricultre und einer Anschubfinanzierung der deutschen entwicklungspolitischen Organisation „Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt“ wurde in Andhra Pradesh schon im Jahr 2000 ein Programm aufgelegt, das auf Beratung und Ausbildung dörflicher Gemeinschaften setzt. In Schulungen lernen Bauern, wie sie ohne chemische Ackergifte und mit kleinem finanziellem Einsatz ertragsreich produzieren können. Mittlerweile gibt es in ganz Indien ähnliche Programme und im Bundesstaat Sikkim werden keine Pestizide mehr verwendet oder pestizidbelastete Produkte importiert. Andere Regionen ziehen nach.

So werden mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Naturschonender Landbau ist gesund, hält fast vergessene Traditionen am Leben und ist ohne Aufnahme überteuerter Kredite möglich. Liebe Bundesregierung, können wir uns da nicht etwas abgucken?

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung der Autorin wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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