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Integration ist ein Erfolg

Neben der Nothilfe müssen wir als Weltgemeinschaft den Flüchtlingen Zukunftsperspektiven bieten, findet unser Gastautor.
Von Peter Ruhenstroth-Bauer, Geschäftsführer

Peter Ruhenstroth-Bauer ist Geschäftsführer der UNO-Flüchtlingshilfe Foto: Jim Rakete
Peter Ruhenstroth-Bauer ist Geschäftsführer der UNO-Flüchtlingshilfe Foto: Jim Rakete

Alle zwei Sekunden flieht ein Mensch: Aktuell sind es weltweit 68,8 Millionen Menschen, Rekordniveau. Gleichzeitig sinkt in Deutschland die Zahl der Asylanträge. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2018 wurden 81 800 Anträge auf Asyl gestellt, 2017 waren es im gleichen Zeitraum 101 000 und 2016 sogar 387 700. Die Zahlen belegen: Die Flüchtlingskrise hat ihren Schwerpunkt nicht in Deutschland, sondern in Bangladesch, Uganda oder Pakistan oder im Libanon, denn 85 Prozent der Flüchtlinge leben in diesen sogenannten Entwicklungsländern.

Die Debatte zur Interpretation dieser Zahlen ist dennoch emotional und kontrovers: Die einen sehen nicht nur Herausforderungen, sondern auch Chancen und andere verbinden mit Zuwanderung hauptsächlich Risiken. Das Ergebnis ist eine gespaltene Gesellschaft mit zwei völlig unterschiedlich empfundenen Realitäten. Wir müssen also Brücken bauen zwischen öffentlicher Wahrnehmung und empirischer Realität. Und wir sollten helfen.

Die weltweiten Krisen sind komplex, politische Lösungen kaum in Sicht. Dabei wollen die meisten Geflüchteten einfach zurück in ihre Heimat, viele leben aber Jahre und Jahrzehnte im Exil, ohne echte Perspektiven. Neben der Nothilfe, besonders jetzt im Winter, müssen wir als Weltgemeinschaft diesen Menschen Zukunftsperspektiven bieten. Das gilt auch für uns in Deutschland. Ein Erfolgsfaktor für die Integration von Geflüchteten ist ein fester Arbeitsplatz. Nicht nur, des Geldes und des geregelten Tagesablauf wegen. Genauso wichtig sind die Gespräche mit deutschen Kollegen und das Kennenlernen ihrer kulturellen Erfahrungen. Wenn von den Geflüchteten im erwerbsfähigen Alter, die seit 2015 nach Deutschland kamen, inzwischen etwa jeder Dritte einer Arbeit oder Ausbildung nachgeht, dann ist das ein großer Integrations-Erfolg, der alle rechtspopulistischen Horror-Szenarien Lügen straft. Wir sollten uns diese Erfolge und die Willkommenskultur nicht von den Hetzern wegnehmen lassen.

Jeder von uns kann was tun, sei es mit einer Spende, sei es mit ehrenamtlichen Engagement: Wir brauchen eine starke Stimme für Geflüchtete und gegen Fremdenfeindlichkeit! Denn niemand flieht freiwillig, niemand ist gern dauerhaft auf die Hilfe anderer angewiesen und doch flieht alle zwei Sekunden ein Mensch.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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