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Katzenjammer Deutschland

Die Population freilebender Katzen nimmt in rasantem Tempo zu – und damit auch das enorme Leid der Tiere.
Manuela Stau ist Koordinatorin des Streunerkatzen-Projekts von Vier Pfoten Deutschland.

Manuela Stau  ist Koordinatorin des Streunerkatzen-Projekts von Vier Pfoten Deutschland. Foto: Fred Dott
Manuela Stau ist Koordinatorin des Streunerkatzen-Projekts von Vier Pfoten Deutschland. Foto: Fred Dott

Streunerkatzen sind scheu. Diese verwilderten Hauskatzen, ehemals ausgesetzt, zurückgelassen oder entlaufen, sind für ein Leben draußen nicht ausreichend ausgestattet. Ihr Fell ist nicht an die Witterungsverhältnisse angepasst, sie leiden oft erheblich unter Hunger, Kälte, Krankheiten, Parasitenbefall und Verletzungen. Die Population freilebender Katzen, die sich mit unkastrierten Hauskatzen paaren, nimmt im rasantem Tempo zu - und damit auch das enorme Leid. Die einzige nachhaltige Lösung ist eine Katzenschutzverordnung mit Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Hauskatzen mit Freigang. Nur so sind Städte und Gemeinden langfristig in der Lage, die Population freilebender Katzen zu kontrollieren und somit vorbeugenden Tierschutz zu leisten. Auch wenn schon viele deutsche Städte und Gemeinden, vor allem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, sogenannte Katzenschutzverordnungen erlassen haben, reicht es bei weitem nicht aus, die Population der Streunerkatzen in Deutschland effektiv und tierschutzgerecht einzudämmen. Ertränken und Erschlagen ist eine Praxis, die heute in ländlichen Gebieten immer noch üblich ist, auch wenn viele Menschen in Deutschland dieses im 21. Jh. nicht für möglich halten. Gerade in Bayern leben unzählige streunende Bauernhofkatzen, doch hat sich bisher keine einzige Gemeinde zum Erlass einer Kastrationspflicht durchringen können. Viele Tierschützer und Privatpersonen richten Futterstellen ein, fangen die Katzen ein, lassen sie kastrieren und versorgen sie weiterhin an der Futterstelle, damit sich das Elend vermindert. Aber sie kämpfen auf verlorenem Posten und werden mit den Kosten allein gelassen. Mit einer verantwortungsbewussten Katzenhaltung, die beinhaltet, die eigenen Katzen zum Schutz der Streunerkatzen kastrieren zu lassen und einem umfassenden Streunerkatzenmanagement seitens der Gemeinde, lassen sich die Population der Katzen und die Kosten für die Aufnahme von Fundtieren eindämmen. Nur eine flächendeckende, bundesweite Kastrationspflicht kann die Population der Streunerkatzen langfristig stark reduzieren und stabilisieren. Mehr Katzenhalter und Politiker sollten dem im Grundgesetz verankertem Tierschutz Rechnung tragen und Verantwortung übernehmen.

Die Autorin ist Koordinatorin des Streunerkatzen-Projekts von Vier Pfoten Deutschland.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung der Autorin wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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