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Sonntag, 22. April 2018 27° 2

Menschenrechte

Kein Mensch ist unberührbar!

Millionen Angehörige der unteren Schichten des indischen Kastensystems werden drangsaliert. Damit muss endlich Schluss sein.
Hans-Christian Danker

Hans-Christian Danker ist Referent für Bildung und Information beim christlichen Hilfswerk Geschenke der Hoffnung e. V.. Es setzt sich als Teil des „Dalit Freedom Network“ für die Rechte der Dalits ein.

Berlin.Anfang des Jahres kam es in der indischen Metropole Mumbai zu Protesten der Dalits – den „Unberührbaren“. Mit Sitzblockaden und Kundgebungen legten sie den Verkehr in der Millionenstadt lahm. Anlass war der Tod eines 28-Jährigen. Er kam bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Dalit-Aktivisten und nationalistischen Hindu-Gruppen am 1. Januar ums Leben. Immer wieder kommt es zu Protesten der Dalits. Warum? Die rund 300 Millionen „Unberührbaren“ stehen außerhalb des hinduistischen Kastensystems. Laut Verfassung sind sie zwar mit allen anderen gleichgestellt – doch de facto werden sie in vielen Regionen drangsaliert. 90 Prozent der rund 18 Millionen Sklaven in Indien sind Dalits bzw. Angehörige indigener Stammesgruppen. Diskriminierung, Gewalt und sexuelle Ausbeutung gehören für viele zum traurigen Alltag.

Ein besonders grausamer Vorfall ereignete sich im November im Bundesstaat Uttar Pradesh. Beim Müllaufsammeln stieß eine Schwangere versehentlich gegen einen abgestellten Eimer, der einer Frau aus einer höheren Kaste gehörte. Die Frau war über diese „Verunreinigung“ so erbost, dass sie gemeinsam mit ihrem Sohn die Müllsammlerin attackierte. Sowohl die werdende Mutter als auch ihr ungeborenes Kind starben.

Solche Attacken sind keine Einzelfälle. Die Entwürdigung von Menschen ist durch keine Tradition oder Religion zu rechtfertigen. Dazu zählt die Praxis der Tempelprostitution. Obwohl offiziell verboten, werden noch heute in einigen Regionen Dalit-Mädchen im Grundschulalter als „Jogini“ einer Gottheit geweiht. Sie werden so zum Eigentum des Dorfes – ab der Pubertät werden sie kontinuierlich missbraucht – erst nur vom lokalen hinduistischen Priester, später auch von anderen Männern des Dorfes.

Was können wir tun? Viele Unternehmen pflegen Geschäftskontakte nach Indien – in diesem Kontext sollte der problematische Umgang mit den Dalits thematisiert werden. Die Politik muss diese Menschenrechtsverletzungen zu einem zentralen Thema in Gesprächen mit Indien machen. Und jeder einzelne kann gezielt Projekte fördern, die den Dalits in Indien Hoffnung und Perspektive schenken und klarmachen: Ihr besitzt die gleiche Würde wie jeder andere!

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