MyMz

Aussenansicht

Kinder brauchen mehr Zeit zum Spielen

Die Bedingungen für das freie Spiel von Kindern müssen verbessert werden. Eltern sollten dafür den nötigen Freiraum schaffen.
Von Holger Hofmann, Dipl.-Sozialarbeiter

Holger Hofmann ist Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerks.
Holger Hofmann ist Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerks.

Zeit zu(m) Spielen!“ ist das Motto des Deutschen Kinderhilfswerkes für den Weltspieltag am 28. Mai 2019. Damit möchten wir gemeinsam mit unseren Partnern im „Bündnis Recht auf Spiel“ darauf aufmerksam machen, dass die Bedingungen für das freie Spiel von Kindern verbessert werden müssen. Gleichzeitig ist das Motto ein Aufruf an die Eltern, ihren Kindern den nötigen Freiraum dafür zu geben. Jedes sechste Kind und jeder fünfte Jugendliche in Deutschland leidet inzwischen unter deutlichem Stress. Einschlafprobleme, Kopf- oder Bauchweh, Müdigkeit, Wut und Aggressionen sind nur einige der Auswirkungen. Das hat auch damit zu tun, dass schon im Grundschulalter viele Kinder mit Schule und Hausaufgaben, mit Nachhilfestunden und Musikunterricht, mit Ballett- und Fußballtraining in enge Zeitkorsetts gepackt werden und zu wenig Freiraum für freies Spielen und Entdecken haben.

Besonders das Spielen draußen, im Freien und mit Freunden kommt bei zu vielen Kindern und Jugendlichen zu kurz. Dahinter steht oftmals eine erhöhte Erwartungshaltung der Eltern, die dazu führt, dass Kinder einen durchgetakteten Terminkalender haben, der keine Spielräume zulässt.

Spielen ist für das Wohlbefinden von Kindern ein entscheidender Faktor: Im Spiel mit anderen lernen Kinder, sich kompetent zu bewegen, sie lernen, soziale Kontakte zu knüpfen, sich in größeren Gruppen zu verhalten, sich durchzusetzen und Regeln einzuhalten. Beim Spiel im Wohnumfeld lernen sie selbstständig zu sein, sich und ihre Umwelt zu organisieren.

Wir wissen, dass sich die eigenen Talente, ja die eigene Persönlichkeit, stärker in solchen Freiräumen entwickeln als an anderen Lebensorten. Kinder, die nicht frei spielen können oder dürfen, sind in ihrer Entwicklung gefährdet. Auch die UN-Kinderrechtskonvention, die in diesem Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum feiert, unterstreicht die Bedeutung des Spiels für Kinder. Denn dort ist festgeschrieben, dass Kinder ein Recht „auf Ruhe und Freizeit, auf Spiel und altersgemäße aktive Erholung“ haben.

Politik und Eltern sind aufgefordert, die Rahmenbedingungen, unter denen Kinder aufwachsen, so zu verändern, dass Kindern wieder mehr selbstbestimmte Zeit zur Verfügung steht, die für ihre Gesundheit, ihre persönliche Entwicklung und ihre aktive Rolle in unserer Gesellschaft unerlässlich sind.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht